Dieses Szenario ist mir wohl vertraut!
Neugierig auf das Leben
Hinter die Dinge schauen, andere Sichtweisen kennenlernen, Selbstverständlichkeiten hinterfragen - das öffnet andere Welten und neue Wege. Und genau deswegen ist Mira Steffan neugierig auf das Leben. Über ihre Erlebnisse, Begegnungen und Erfahrungen schreibt sie in ihrem Blog.
Der Kater und ich
Wir haben eine Katze. Richtiger: einen Kater. Noch richtiger: Meine Tochter hat einen Kater. Genau genommen: Ich habe einen Kater. Zumindest dann, wenn es ums Füttern, das Entwurmen oder Tierarztbesuche geht.
Letzte Woche war es mal wieder soweit. Die jährliche Kater-Impfung stand an. Schon Tage vorher hatte ich unruhige Nächte. Denn wieder einmal stellte sich die Frage: Wie sollte ich diesen sechs Kilo Klops in den Transportkorb zwingen. Als der Tag des Grauens anbrach, schlich ich verstohlen in den Keller, holte leise, leise den Transportkorb aus dem Regal, tippelte auf Zehenspitzen in den Flur und stellte den Korb vorsichtig ab. Ebenso geräuscharm öffnete ich das Gittertürchen, legte ein Kissen hinein und sah mich um. Kein Kater zu sehen. Bis heute ist es mir ein Rätsel, woher unser Kater weiß, wann es zum Tierarzt geht. Aber, er weiß es. Egal wie vorsichtig ich mich mit dem Transportkorb bewege. Mit seinem Lieblings-Geflügel-Stick in der Hand und einer betont süßlichen Stimme ging ich auf sie Suche. Ich fand ihn unter meinem Bett. Zwei grüne Augen leuchteten mir entgegen. Ich wedelte mit dem Stick aufmunternd hin und her. Der Kater schob sich tiefer unter das Bett. Ich robbte hinterher und blieb auf halber Strecke, eingekeilt zwischen Teppichboden und Lattenrost, hängen. Beim Rückzug verlor ich ein Stück Stoff von meiner Bluse an einer Federholzleiste. Ratlos richtete ich mich auf, sah mir im Spiegel das Loch am Kragen an, blickte auf meine Armbanduhr. In einer halben Stunde mussten wir beim Tierarzt sein. Mutlos schaute ich unter das Bett. Inzwischen hatte sich der Kater in den hintersten Winkel verkrochen. Ich versuchte es mit einem Besenstil. Nichts zu machen. Ich lockte noch mal mit dem Geflügel-Stick. Nichts.
Okay, dann musste es eben sein.
Ich schlüpfte aus meinen Pantoffeln und erklärte mein Bett zum Trampolin.
Wie ein Torpedo schoss ein schwarz-weißes Fellknäuel unter dem Bett hervor, lief die Treppe nach unten. Ich hinterher. Und, desorientiert wie er war, ließ er sich widerstandslos in den Transportkorb schieben.
Geschafft.
Bis zum nächsten Mal.
Mira Steffan
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