Archiv für den Monat December 2011

Schöne ruhige Weihnacht und viel Raum zum Atmen, Leben

Bei der Planung unserer Weihnachtskarte kam uns dieses Jahr zunächst Jonathan Jeremiah mit seinem Song Happiness in den Sinn. Die Leichtigkeit und Fröhlichkeit wollten wir gerne weitergeben. Dann entdeckten wir ein Foto aus dem Jahr 2009 – ein Urlaub an der Côte d’Azur, die Strandpromenade in Nizza. Es fiel uns der Psalm 23 ein. Der Ruheplatz am Wasser. Das gefiel uns. Ein Ort der Ruhe und des Weitblicks.

Zurücklehnen, festlich feiern, entspannt Revue passieren lassen. Weihnacht. Den Blick schweifen lassen, offen für das, was kommt. Wir wünschen ein schönes Fest und viel Zuversicht für 2012.

Herzlich, sku:l und der fiftyfiftyblog

jens: Friday, 23. December 2011, 09:56 in Allgemein

Der ultimative Christmas-Check:)

Dreizehn Punkte, die ihr vor dem Fest – neben dem normalen Wahnsinn der Vorbereitung – noch einmal durchgehen solltet:

1. Genug Klopapier im Haus?
2. Wie steht’s mit überzogenen Erwartungen hinsichtlich Friede, Freude, Eierkuchen?
3. Gibt es im Festprogramm Rückzugsmöglichkeiten und Ruhepausen für alle Beteiligten?
4. Steht der Spül- und Küchenplan?
5. Ist der Eltern-/ Großelternbesuch mental vorbereitet?
6. Ist die Körperfett-Waage versteckt?
7. Sind leichte Ausgleichsmahlzeiten geplant?
8. Stehen Maßnahmen gegen übermäßigen Alkoholkonsum auf dem Programm?
9. Wann ist das Ausschalten des Fernsehens geplant?
10. Welche fröhlich machenden Gemeinschaftsaktivitäten sind insbesondere in Haushalten mit Kindern vorgesehen?
11. Wohin sollen die Entspannungs- und Sauerstoffspaziergänge führen?
12. Gibt es Themen mit Familiendrama-Qualität, die vorher noch geklärt werden sollten/ müssen – oder lieber gutlaunig den Mantel des Schweigens drüberlegen und vertagen?
13. Passen die bisherigen Festtraditionen noch, oder sollte da mal ausgemistet werden?

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jens: Thursday, 22. December 2011, 17:12 in Allgemein

Es weihnachtet…

Noch ist hier der Teufel los. Jobs kommen rein, obwohl die letzten für dieses Jahr noch in der Mache sind. Das Heiligabendmenü steht noch nicht, vom Einkauf ganz zu schweigen. Und auch einen Weihnachtsbaum – mein Job als Vater – ist noch nicht da. Entweder ich kaufe einen, was gegen die Familientradition geht, ich klaue einen im Wald, was schon eher der Familientradition entspricht, oder ich nehme die Nordmanntanne vor unserer Haustür, die dort noch vollkommen intakt von der Nikolausfeier steht (aber das wäre vollkommen unsexy und hätte einen Touch Geiz). So einfach ist das alles gar überhaupt nicht mit Weihnachten und Last-Christmas-Herz-Schmerz-Stimmung. Habt ihr übrigens schon das Last-Christmas-Video von Stefan Reim gesehen? Lasst es! hammerhart. Ich erwähne es, aber weigere mich, es zu verlingen. Wer will: Youtuve, Stefan Reim, Letzte Weihnacht. Sagt niemandem, dass ich euch darauf gebracht habe. Das Foto ganz oben stammt von gestern Morgen, als es hier schneite und die Schule ausgefallen ist. Wie glücklich Kinder aussehen können, wenn das Telefon morgens um 6 Uhr ringt und Bescheid sagt, dass Zurückkuscheln ins Bettchen angesagt ist. Waren die schnell – wie die Hasen. Und weg…

Jetzt ruft hier wieder mein Job, der sich auf das “Ende” hin extrem beschleunigt. Heute: 100 Seiten Korrektur lesen. Wunderbaaarrrr… Ciao, bis später irgendwann.

P.S. Die beiden Fotos sind ein Suchspiel. Wer findet die Fehler? Etwas ist verkehrt, etwas fehlt. Ergo: Zwei Aufnahmen aus zwei Jahren:)

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jens: Thursday, 22. December 2011, 11:38 in Allgemein

‘nen Korb bekommen…

Voll den Korb bekommen. Von Jim. Gestern nach der Schule kam er in mein Büro. “Hi Papa, hier, für dich. Zum Pilzesammeln.” Oh. Überraschung. “Aber, äh, es ist doch noch gar nicht Weihnachten. Also, ich meine. Wäre es nicht vielleicht besser, sich den als Geschenk aufzuheben? Bis Samstag?” Grins. “Nö, nö.” Grins. Also wirklich. Dieser Herzenbrecher. Wie sagt man dann? Guter Junge. Wirklich. Ich bin schon sehr, sehr froh, ihn zu haben.

Und deshalb möchte ich auch die Gelegenheit nutzen, auf einen Blogbeitrag von Frau Sibylle Berg kurz einzugehen. Der war auf Spiegel Online zu lesen und hieß Oooooooh! Ihr Armen! In dem Beitrag machte sie sich darüber lustig, dass es eine Tendenz gibt, Jungen zu stärken. Dass in Männer- und Kerlsblogs Maskulinistenclubs (hat sie sich selbst ausgedacht, schreibt sie) entstehen.

Sie macht sich darüber lustig, weil sie dahinter den Wunsch sieht, dass die Frau wieder in die zweite Reihe tritt. Kann ich einerseits gut verstehen, andererseits denke ich: Sie hat wahrscheinlich entweder keine Kinder oder keinen Sohn. Ich glaube nämlich, dass sich das mit den männlichen Vorbildern durchaus positiv und auch im Interesse der Frau interpretieren lässt. Ich denke, wenn Jungen mit männlichen Vorbildern aufwachsen, trägt das durchaus zu einer positiven Sozialisierung bei. Ohne! Ohne, dass hier Unterdrückungsmechanismen weitergegeben werden. Männer sind ja nicht nur Idioten!

Ich gebe zu, das fällt teils schwer, dass so zu sehen, weil auf der internationalen Bühne viele Männer durchaus ordentlich viel Scheiß bauen. Und ja, es sind immernoch die Kerle, die in unserer Gesellschaft überwiegend das Sagen haben und zu Wort kommen. Und immernoch verdienen Frauen in Deutschland bei gleicher Tätigkeit weniger Geld. Und in den Top-Positionen in Wissenschaft und Wirtschaft tummeln sich viel mehr Männer als Frauen. Und selbst bei Spiegel Online stehen fünf männlichen Bloggern nur zwei Bloggerinnen entgegen.

Gerade deshalb ist es wichtig, eine positive, nicht schräge Männlichkeit weiterzugeben. Denn Jungs, denen Vorbilder fehlen, die neigen dazu, sich nur durch Rumprügeln und Unterdrücken beweisen zu wollen. Jungs, die keine Vorbilder haben, die in einem Vakuum aufwachsen, haben eher ein Problem und reagieren oft aus einer Schwäche heraus. Sie denken, sie müssten männlich sein, wissen aber nicht, was das ist, und suchen sich dann die Klischee-Abziehbilder. “Ich bin ein Mann, wenn ich Stärke zeige und andere dominiere.” Krach! Bumm! Das ist Mist. Gerade so ist es doch oft in der Vergangenheit gelaufen, weil die Väter weg waren. Weg sind. Beruf. Jagen. Sich beweisen, da draußen. Die ihre Familien, ihre Söhne vergessen, nichs mitbekommen. Die irgendwann merken “Och. jetzt ist es zu spät.”

Um zurück zum Korb zu kommen, den ich bekommen habe: Korbflechten für seinen Papa ist für mich durchaus ein Zeichen von Männlichkeit im menschlichen Sinne. Ich habe das Gefühl, das läuft bei Jim in guten Bahnen. Obwohl wir so männliche Dinge machen wie durch die Natur tigern und im Freien campen. So richtiges Männerzeugs mit Lagerfeuer. Aber ich denke, das trägt nicht dazu bei, Frauen in den Schatten zu stellen, sondern einen eigenen, hoffentlich guten Weg zu gehen, auf dem es nicht nötig ist, irgendwen anderes dominieren oder in die zweite Reihe stellen zu wollen. Und da leisten viele Menschen wirklich gute, sinnvolle Männerarbeit, die nicht diskreditiert werden sollte. Ich plädiere nach wie vor dafür: Männer, kümmert euch um eure Söhne! Und um eure Töchter. Dazu könnte ich auch eine ganze Menge schreiben, weil ich Jim nicht gegen Zoe ausspiele und Zoe nicht gegen Jim. Ich versuche beiden dabei zu helfen, ihr Ding zu machen. Und wahrlich habe ich keine Lust darauf, dass Zoe jetzt oder später einmal von irgendwem als Mädchen und Frau unterdrückt oder dominiert wird. Eine in sich ruhende Weiblichkeit sowie eine in sich ruhende Männlichkeit sind durchaus ein Weg, gut klar und miteinander zurecht zu kommen. Fifty-fifty. Deshalb darf der fiftyfiftyblog gerne auch als Maskulinistenclub gesehen werden.

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jens: Thursday, 22. December 2011, 11:37 in Allgemein

Der Baum

Hier ist er nun. Der Baum mit Stütze. Heute Morgen schien plötzlich die aufgehende Sonne von Osten durch die Buchen am Hang und die Eiche auf dem Schulplatz zu mir ins Büro. Ich schnappte mir die Kamera und bin den gestern beschriebenen Weg inklusive Stacheldrahtzaun wie ein Irrer samt Cooper hochgeprescht, um das Licht zu nutzen. Und den Baum zu präsentieren. Oben der Baum, unten das Licht:)

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jens: Friday, 16. December 2011, 10:00 in Allgemein

Tägliches Tal

Die warme Nebeldecke schläft noch
Die Spuren rechts und links
auf dem Weg hin und zurück
schlängeln sich als hingeworfener Faden
zur Birke am Ende
sie weiß mehr

Der Bachpegel erzählt vom gestrigen Wetter
Den Reiher interessiert das nicht
weder das Gestern
noch das Morgen
noch was überhaupt geschieht
sonst

Alle Augen aller Kühe starren malmend misstrauisch
gleich wieder hören sie die Rede an die Kuh
wie jeden Tag ein Spiel
Im Frühling kommen sie noch gelaufen um zu hören
Hosiannah!
Im Herbst verweilen sie im dämmrigen Fraß

Es ist der immergleiche Weg
von Tag zu Tag
das was sich ändert
ist das Unsichtbare
das vom Nebel umhüllt
in der wollenen Decke schweigt

dezember 2011

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jens: Friday, 16. December 2011, 09:59 in Allgemein

Rat Pack on the Run

Es hatte den ganzen Tag geschneit und die weiten Felder waren bis zum Horizont mit einer dicken weißen Schicht bedeckt. Es war Abend, der Vollmond schien, keine Wolke bewegte sich am Himmel. Sterne über Sterne prangten am Himmel, als ein kleiner Pritschen-LKW mit Plane sich über die Landstraße schlängelte.

„Boah ey, wo hat denn der Typ fahren gelernt. Ich muss echt gleich kotzen.“ meinte Pit. „Hey, kannste dich mal zusammennehmen. Wir sitzen hier in einem Boot, äh Käfig, da kommt Kotzen ziemlich schlecht.“ Pernilla hatte wirklich schlechte Laune, weil sich der Tag zum ganz Schlechten gewendet hatte. Hier saßen die beiden Angorahasen in ihrem Käfig und wurden kurz vor Weihnachten in die Stadt gefahren, um in der Tierhandlung am Markt die Angorahasenbestände aufzufüllen. „Ist dir auch so scheißekalt?“ „Pit, kannste bitte in dieser vertrackten Situation ein klein wenig mehr Haltung bewahren? Das wäre nett.“ „Nett, nett. Hier hier is gar nix nett. Überleg mal. Wir sitzen hier in diesem duseligen Käfig, gefangen wie der Graf von Montechristo und werden bald in dieser duseligen Tierhandlung zum Begaffen und Rumgetatsche freigegeben. ‚Och schau mal, wie süß. Ob das ein Pärchen ist? Die wären doch was für unsere kleine Lilly, oder was sagst du, Opa?’ Das erwartet uns.“ „Woher weißte denn das?“ „Haben die anderen erzählt. Wenn du Pech hast, kommste ins Schaufenster. Da hockst du dann wie in der Peepshow und wirst beglotzt. Biste grad mal weggedöst, haut irgend so’n Hirni gegen die Scheibe. Terror, sage ich die dir.“ „Weißte Pit, du kannst einem aber auch Freude bereiten. Kannste jetzt mal bitte einfach die Klappe halten?“ „Klappe halten, Klappe halten? Ne, ne. Sollen es ruhig alle hören. Meinetwegen auch der Stümper am Lenkrad. Wie fährt der überhaupt? Weißte, die Menschen, die sind fein raus. Haben alles. Menschenrechte und so. Charta der Vereinten Nationen. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Und wir? Werden ohne Prozess eingesperrt. Straftatbestand: Geboren als Angorahase. Das ist purer Rassismus. Das ist. Ah, ich darf gar nicht dran denken.“ Mit seinen Pfoten trommelt Pit gegen die Gitterstäbe und schreit so laut er kann verzweifelt in die Welt „Scheiße, Scheiße, Scheiße.“ „Jetzt hör mal auf!“ schnauzt ihn Pernilla an, „Ich muss nachdenken.“ „Nachdenken, guter Zeitpunkt.“ „Genau der richtige Zeitpunkt. Wir müssen hier raus sein, bevor wir in der Stadt sind. Pit, wir machen die Biege.“ „Ja klar, Eisenbieger-Pernilla. Willste die Gitterstäbe auseinanderbiegen und wie ein Vogel in die Freiheit fliegen?“ „Kannste mal bitte, bitte mit dem destruktiven Gefasel aufhören? Wenn du hier die großen Hasenrechtereden hältst, dann kannste auch genauso gut einen Ausbruchsplan entwerfen.“ „Klar, Frau Pernilla ist ja so klug, die weiß, wie wir hier rauskommen.“ „Zumindest steck ich nicht den Kopf ins Futter und lass mir das hier gefallen. Zwei Hasen in diesem blöden Käfig. Zum Pinkeln in die Ecke, kaum Streu und Futter is auch keins da. Was die sich denken.“ „Haste ’nen Plan?“ Pernilla zieht sich in eine Ecke zurück, mummelt sich ein, legt die Angorahasenohren nach hinten und schließt die Augen. „Hey Pernilla, pennste jetzt, oder was?“ „Ruhig Pit. Situationsanalyse.“ „He?“ „O.K. Setz dich, schließ die Augen. Wir denken nach. Fakt ist folgendes: Wir sitzen in einem beschissenen Käfig. Sind eingesperrt. Von der Freiheit trennen uns ein paar Gitterstäbe. Der Käfig hat unten eine Plastikwanne, durch die wir uns nicht durchnagen können. Zu glatt, habe ich probiert. Obendrauf sitzt der Gitterkäfig. Der wird mit zwei Verschlüssen rechts und links gehalten. An die kommen wir nicht ran, weil die außen liegen. Oben ist das Törchen, das mit einem kleinen Riegel verschlossen ist. Auch außen. Plan A: Wir öffnen die Verschlüsse an der Seite, Plan B: Wir versuchen es mit dem Törchen. Was uns fehlt, ist Werkzeug. Mist.“ „Pernilla, Pernilla. Ich hab’s.“ „Ja?“ „Die Wasserflasche.“ „Die Wasserflasche?“ „Ja, hilf mir. Schau, wir ziehen das Trinkröhrchen raus. Das ist aus Alu, das können wir als Hebel benutzen, um den Riegel wegzuschieben.“ „Pit, du bist genial.“ Und so ziehen die beiden das Aluröhrchen aus der Flasche und Pernilla setzt den Hebel an, um den Riegel zu öffnen, was ganz leicht ist. Sie klettert auf Pits Rücken und drückt die Klappe nach oben auf. „Pssst. Jetzt ganz ruhig, Pit. Ich gehe vor, und geb dir meine Pfote. Daran kannst du dich hochziehen. O.K.?“ „O.K.“ Gesagt, getan. Nach wenigen Sekunden klettern die beiden über die anderen Käfige. Niemand sonst will mit, will das Risiko Freiheit wagen. „Ihr Schnarchnasen“, sagt Pit. Schon stehen sie hinten an der Ladeklappe und schauen in die Vollmondnacht. „Und Action, baby, wir müssen springen.“ „Pit, denk mal bitte schön nach. Wollen wir uns die Knochen brechen? Das hier müssen wir durchdacht durchziehen. Wir warten, bis der LKW an einer Kreuzung hält und dann: Jump.“ So stehen Pit und Pernilla dort hinten und schauen auf die Straße, über die Felder in den Vollmond beschienenen Sternenhimmel. Da hält der LKW kurz an einer Kreuzung. Die beiden sehen sich an, geben sich lautlos Zeichen, Pernilla springt, Pit hinterher. Mit ihren kleinen Hasenhintern landen sie im tiefen Schnee, ducken sich, ziehen die Ohren ein und warten. Endlos scheint die Zeit. Hat sie der Fahrer im Spiegel springen sehen? Werden sie gleich die Tür hören, Schritte? Der LKW fährt an, die Motorengeräusche entfernen sich, vier Hasenohren stellen sich auf, zwei Hasennasen erheben sich aus den Schneekuhlen, wittern. Sie springen auf, geben sich Five, lachen, toben durch den Schnee. „Frei, frei, frei!“ Dort sitzen sie nebeneinander. Glücklich. Doch es ist kalt. Sehr kalt. Sternenklare Nacht, es friert. „Du Pit, und jetzt?“ „Äh, keine Ahnung.“ „Weißt du Pit, wir sind Angoras. Drinnenhasen und so. Die andern hier, die Draußenhasen, die sind anders. Die wohnen irgendwo da unten in ihren Erdlöchern und haben es kuschelig.“ „Erdlöcher? Ich. Da wird ja das Fell ganz schmutzig. Ne du, nix für mich. Allein die Vorstellung. Dreck und Pampe und so. Uaahhh.“ „Aber Pit, wir müssen was machen. Wir brauchen einen Plan, sonst sind wir hier morgen steif gefrorene Osterdeko zu Weihnachten.“ „Pernilla, deinen schrägen Humor kannste dir echt mal einrollen. Krass. Du kannst doch nicht in dieser Situation…“ „Quatsch keine Opern, mir ist scheißekalt. Da hinten irgendwo ist ein Licht. Los, beweg dich. Kann der feine Angoraherr auch laufen?“ „Ungern, aber wenn es sein muss. Und Abgang.“ Die beiden laufen, was das Zeug hält, dem fernen Licht entgegen. Die Strecke wird kaum kürzer und sie haben Hunger. Pernilla läuft voraus und zieht Pit hinter sich her. Ermuntert ihn, nicht aufzugeben. Kämpft, mit der Kälte, den schmerzenden Pfoten, den Schneeklumpen im Fell, dem Jammern hinter sich. „Ich hasse Natur. Wer ist bloß auf die duselige Idee mit dem Schnee gekommen. Das macht doch überhaupt keinen Sinn. Das ist anstrengend, kalt, doof, doof, doof…“ Und so zetert Pit und schimpft und Pernilla läuft und zerrt und motiviert. „Da vorne, schau, ein Hof. Dort gibt es mit Sicherheit ein schönes Plätzchen für uns. Einen Stall mit Heu.“ Tatsächlich. Der Hof liegt ruhig in der Schneenacht, der große Hund im Zwinger schläft tief und fest und gleich neben der Traktorenhalle, wo die riesigen Geräte unheimliche Schatten werfen, finden Pernilla und Pit den Heuschober. Mit ihren Pfoten bahnen sie sich einen Weg hinein und bauen sich ein kleines Nest. Futtern vom guten, duftenden Heu. Erschöpft legt sich Pit in seine Lieblingsschlafposition auf die Seite, legt eine Pfote auf die Wange und schläft sofort. Pernilla kuschelt sich an seinen weichen Angorabauch, legt die Ohren fein zurück, schließt die Augen und denkt „Wie schön ist Weihnachten in Freiheit.“

P.S. Zoe konnte gestern Abend nicht einschlafen. Da habe ich ihr in etwa diese Geschichte erzählt. Ein Ritaul, das Wunder wirkt. Und so gemütlich. Kein Mucks ist von ihr zu hören und am Ende immer, wenn die Tiere irgendwo gut und sicher angekommen sind, ist ihr Atem ganz ruhig und es dauert nicht mehr lange, bis sie eingeschlafen ist. manchmal ist es einfach so schön, Papa zu sein. Und weil bald Weihnachten ist, habe ich sie euch heute Morgen aufgeschrieben. Die Sprache ist übrigens so gewählt, weil das mit den ganz süßen Storys nicht mehr läuft. PAPA! Da muss also schon ein wenig mehr Power drin sein, weshalb Pit und Pernilla ein wenig relaxter reden:) Macht mir auch Spaß, frecher zu sein.

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jens: Friday, 16. December 2011, 09:58 in Allgemein

Die Wurzeln meines Bloggens ausgerissen…

Das ist doch mal eine dramatische Überschrift, die einem Axel Springer gerecht wird. Den erwähne ich, weil ich heute Morgen im Bett beim Cappuccino einen Artikel über ihn und eine Ausstellung im Magazin der Kulturstiftung des Bundes gelesen habe. Dramatisch ist die Head natürlich vor allem auch, weil ich gestern nicht gebloggt habe. Da könnte man sich fragen, ob es da einen Zusammenhang gibt? Nö. Ich hatte ganz einfach mal keine Lust. Damit hat die Überschrift also nichts zu tun.

Es geht um einen kleinen Baum, den die regelmäßigen Blogbesucher/innen kennen dürften. Dieses kleine schiefe Gewächs, das ich immer wieder fotografiert habe. So im Januar 2010, als daraufhin das Gedicht Kirschblütenblättersehnsucht entstanden war, über das ich dann zum Bloggen bei Brigitte Woman gekommen bin. Die Story von vor zwei Jahren findet ihr hier. Olle Kamellen.

Nun bin ich eben mit Cooper auf die Wiese rauf. Über die Straße, über den Bauernhof, unter dem Zaun durch, durch den Wald, über den Stacheldrahtzaun auf die Wiese. Ich hatte nämlich eine Vermutung: Der kleine Baum hat einen Sturmschaden. Sah von hier unten so aus. Der steht ja eh schief, windschief, und jetzt eben noch mehr. Die Herbststürme der vergangenen Tage haben ihm zugesetzt. Mein Baumkontrollrundgang hat meine Befürchtung bestätigt. Eine Wurzel hat sich aus dem Erdreich gelöst, hat losgelassen und den Baum weiter in die Schräge rutschen lassen.

Mein Sherlock Holmes Gespür sagt mir: Die Kühe sind schuld. Rund um den kleinen Baum überall Hufspuren. Die müssen einen Kreistanz, ganz klar, aufs Wiesenparkett gelegt haben. Hatten wahrscheinlich mächtig viel Spaß. Wahrscheinlich eine ausgelassene Kuh-Weihnachtsfeier. Buntes Treiben, lautes Muhen, Glück bis in die letzte Euterspitze. Dabei haben sie den Boden rund um den Baum aufgeweicht. Als nun die Sturmböen in hui, hui Hexengeschwindigkeit heranflogen und zerrten und rüttelten, da konnte der kleine Baum nicht mehr. Tatsächlich hat er gekämpft wie ein Stier, hat sich in der Erde festgekrallt, hat geschrien “Ihr bekommt mich nicht, ihr werft mich nicht um. Kommt doch, kommt doch…” Letzteres hätte er vielleicht nicht sagen sollen, dennn tatsächlich kam ein Hagelschwung, der sich zunächst helfend schwer als Gegengewicht auf die Wurzeln legte. Doch dann tauten die dicken Hagelkörner und durchtränkten das Erdreich erst recht. Alles wurde feucht und glitschig, der Wurzel entglitt der Halt, in Tränen gab sie nach und musste den anderen Wurzeln zurufen “Es tut mir so leid, ich konnte einfach nicht mehr. Die Kräfte wurden übermäßig.”

Ganz aufgegeben hat der Baum nicht, er hat seine Kräfte konzentriert und aus der Krone, die jede Böe ausgetanzt hat, Kommandos an die Muskelarbeiter am Fuße geraunt. “Vorsicht, scharfe Böe von links, drückt dagegen, haltet.” Und so weiter, und so fort. Am Morgen, als das Spiel der stürmischen Nacht zuende ging, schüttelte sich der Baum im Morgennebel und suchte sich zu orientieren. “Nunja, ganz unbeschadte sind wir nicht durch gekommen, aber wir stehen. Nicht wie eine Eiche, aber doch imposant. Herzlichen Glückwunsch an alle. Wieder einmal getrotzt, so wie unser entfernter Onkel in Pisa.”

Pisa. Ich meine, da waren Zoe und ich im Sommer. Ganz schön schief das Teil. Auf Sand gebaut. Aber dem Turm wird geholfen, weil er ein ebenso beliebtes Fotomotiv ist wie mein Baum. Äh, mein Baum? Natürlich nicht. Mein Model, äh, ein Model. Oder so. Auf jeden Fall sind Cooper und ich zur Hilfe geeilt. Symptome erkannt, Gefahr gebannt. Wie zwei junge Hunde liefen wir als Nimm Zwei-Freunde über die Wiese und konstruierten – wie in Pisa – eine Stützkonstruktion. Dazu mussten wir in den Wald. Dort fand ich einen fetten Buchenast, der super schwer war. Den krallte ich mir nach dem Motto “viel hilft viel” und bugsierte ihn über den Stacheldraht, was mich in Nöte brachte, weil ein Stachel sich nicht ganz niedrücken ließ und sich in den Schritt bohren wollte. Vertrackte, unangenehme Situation mit diesem Balken auf der Schulter. Kommandos aus dem Baumwipfel in die unteren Zonen. Indiana Jones like habe ich die Situation ausgetanzt und habe den Balken zum Baum gebracht. Überall Matsche und das, was die Kühe sonst so während ihrer Weihnachtsfeier hinterlassen haben. Flitsch, rutsch. Nein, nicht mit dem Hintern rein und vom eigenen Balken erschlagen. Aber fast. Das Leben auf dem Lande ist eines der gefährlichsten.

Nun steht er also dort, der Baum mit Stütze. Meine Klamotten sehen aus wie Schwein, aber so ist das halt, wenn die Jungs vom Spielen kommen:) Ich hoffe, die Stütze bringt ihn heil durch den Winter und wenn die Wachstumskräfte des Frühlings kommen, kann er wieder neue Wurzeln in die Erde rammen.

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jens: Wednesday, 14. December 2011, 09:52 in Allgemein

Tranströmer II, 2011

Der Gedanken wegen
der leichteren Fahrt
der gepäcklosen Reise
Fury in the Slaughterhouse

In Leverkusen
an der Fabrik vorbei
in der Kurve zum Rhein

Der Blick durch zwei Strommasten
Giganten auf stählernen Füßen
Roboterversorger
Aliens
Hollywood 3D

Das Bild voll
hier

Gursky
Rhein II
ein Kuraufenthalt

Er sagte
Die Joggingstrecke
Das Kraftwerk wegretuschiert

Bliebe doch Zeit
später
in Düsseldorf
die Stelle zu suchen
bei Ostwind

Die News schalten sich ein
automatisch
stoppen die Wingenfelders
Der eine wohnt
Dörfer weiter
hinter Alice Schwarzer

Durban am Ende
der Müdigkeit wegen
ein Kompromiss
Bourban in Durban
Der Kongress tanzt nicht mehr
die Lichter erloschen
wie manches mehr
Ein langes Warten
bis ein steter Tropfen
verdampft

Düsseldorf
Tranströmer heute
Habe zwei Karten
brauche nur eine
Ela bei Zoe
des Lampenfiebers wegen
der Tanz am Nachmittag
muss mich sputen
und Ela kühlt
das Fieber
mit den Fingern der Anwesenheit

Der Weihnachtsmarkt
vor der Bühne
steht still
in Erwartung

Das Parkhaus
am frühen Morgen
dritter Advent
so leer
wie das kleine Haus

Entschuldigung
so ist das mit Lyrik
der Generalintendant
die Botschaftsrätin
die Schauspielerin

“Tranströmer wollte Präludium hören. Das Erwachen
ist ein Fallschirmsprung aus dem Traum. Sie las es
in Anwesenheit des Musikers und es war
als sei Gott im Raum gewesen.”

Ich schließe die Augen
höre Gedicht für Gedicht
die Bilder springen wie junge Katzen
auf der Leinwand hinter den Lidern
Manchmal fluten mich
die Worte
ein Erbe
meines Vaters

“In meinem Schatten werde ich getragen
wie eine Geige
in ihrem schwarzen Kasten.”

Tage könnte ich sitzen
Nächte dazu
in diesem dunklen Raum
schwarz gestrichen
nur Worte dürfen leuchten
im Leuchtturmdrehen

Weihnachtsmusik
vor dem kleinen Haus
Schauspiel
aus den Boxen
der Eisbahn

Voll

Die verlassene Tiefgarage
schenkt den Bildern Raum
projeziert an die
Wandflächen aus Beton

Mit dem Auto aus der Stadt
quer durch Weihnachtsmärkte
Coffee to go

Ein anderer Meister
für die Rückfahrt
Gabriel, Peter

Für Gursky
bleibt keine Zeit
die Ufer zu suchen
es wartet der Tanz
der Kinder

Allemal besser
als das ungelenke Geschiebe
in Durban

Am Abend
falle ich ins Bett
Neben mir
Bücher getürmt
Bölls Irisches Tagebuch
darüber
Tranströmer komplett

Mein Kopf sinkt auf den Stapel
die Wörter kichern
huschen aus den Deckeln in mein Ohr
klingen nach
gesprochen von Frauenstimmen
toben durch mich hindurch
mein Kopf
eine Tiefgarage
Hall und Schall
Diaprojektionswände
Das Meer, der Wald, die Seen
ohne Spiegelbilder

Schlafe
wache auf
Tranströmer

dezember 2011

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jens: Monday, 12. December 2011, 23:21 in Allgemein

Weihnachtsmarktsehnsucht…

Ach, ich komme immer mehr in Weihnachtsstimmung. Ist das schön dieses Jahr. Und ja, ich gebe zu, ich bin beim Dekowahn dabei. Selbstgebundener großer Adventskranz, vor dem Haus im Flieder eine bunte Lichterkette (mit Zeitschaltuhr, deren Programmierung mich fast wahnsinnig gemacht hätte) und in der Küche in der Ecke eine Novität: Eine Weihnachtsbirke. Hä? Ja. In den letzten Jahren hatten wir dort immer eine Vase mit großen, hohen Weidenzweigen stehen. Die haben dann irgendwann immer angefangen grüne Blätter zu bekommen. Mitten im Winter. So schön. Wie ein vorgezogener Frühling. Dieses Jahr nun hatte ich eine andere Idee. Ich wollte einen Baum. Eine Birke. Also sind Ela und ich mit dem Traktor in den Wald gefahren, dorthin, wo es viel zu viele Birken gibt, und haben eine ausgegraben und Zuhause in einen Topf gepflanzt. Dort steht sie nun mit Lichterkette und bunten IKEA-Weihnachtskugeln.

Zu jeder Mahlzeit brennen die Kerzen des Adventskranzes und die Lichterkette der Weihnachtsbirke. Schön stimmungsvoll. Im Ofenzimmer vor dem Fenster hängt zusätzlich ein großer Weihnachtsstern, der draußen mit der großen Glühbirnen-Sternschnuppe der Feuerwehr um die Wette leuchtet. Heimelig. Diese Woche war ich fast jeden Abend Zuhause, saß im Ofenzimmer, las, spielte mit Zoe Rommee oder hörte mit den Kindern Radio, während Ela an ihrem Pullover strickte. Klingt wie Nachkriegsjahre, nur, dass im Radio kein Swing lief, sondern die 1Live-Krone. Mit Philip Poisel, Casper, Clueso, Tim Bendzko – die jungen Wilden des deutschen Pop. Ist doch schön, die Zeiten fliegen zu sehen und dabei zu sein. Zu sehen, wie sich die eigenen Kinder Idole suchen, wie sie durch das Leben tanzen zu neuer Musik. Mal eben schnell die Welt retten… Weshalb nicht. Wäre in Durban möglich. In wenigen Sekunden heben alle Delegierten die Hand für eine Sache. Und die Welt wäre mal eben kurz gerettet. So einfach ist das. Heb die Hand Durban, setz ein Zeichen, spring über deinen Schatten.

Weihnachten. Der Erlöser erscheint. Zurück zum Thema. Weihnachtsmarktsehnsucht. Ich habe es noch nicht geschafft, einen zu besuchen. Dabei wäre einer direkt um die Ecke im Nachbardorf. Der ist mittlerweile so bekannt, dass sogar der WDR darüber berichtet. Der Odenspieler Weihnachtsmarkt. Der ist auf jeden Fall eine Landpartie wert. Klein, urig, schön. Und wer noch keinen Baum hat, der bekommt einen vom Weihnachtsbaumspezialisten Lars Dissmann. Der kennt sich aus, weil er die Bäume selbst pflanzt, hegt und pflegt.

Oder Aachen? Mein geliebtes Aachen? Oder Köln? habe ich auch noch nicht geschafft. Aber bald sind Ela und ich einen Abend in Köln und feiern ein kleines Fest. Da könnten wir kurz… Wie damals in Aachen an unserem ersten gemeinsamen Tag. 1991. Bei Schneefall über den Weihnachtsmarkt geschlendert. Nah. Eng. Verliebt. War das schön und mein Gehirn hat tatsächlich die Bilder gespeichert. Ja. Oder was mich auch reizen würde, wäre Frankfurt. Wäre eine Überlegung wert.

Mal sehen, was an Ausflügen in die Adventszeit noch reinpasst. Sonntag bin ich in Düsseldorf und höre mir im Schauspielhaus Tranströmer-Gedichte an, nächste Woche Sonntag haben wir bei Freunden ein Adventssingen. Wird schon alles recht knapp, weil da auch noch ein siebzigster Geburtstag sind und Zoes Tanzaufführung, bei der ich natürlich selbstredend dabei sein muss und will. Und da sind noch ein paar Jobs vor Weihnachten abzuschließen… Müsste mich mal wegstehlen. Zeit rauben bei der Schicksalsbank. Kredit – zieht ihr bitte einfach einen Tag hinten ab und schiebt den wie bei Murakami dazwischen. So eine Parallelwirklichkeit mit Fahrstühlen, die Welten zwischen zwei Etagen bieten. Das wäre was… Weihnachtsmarktsehnsucht geht über in Weihnachtsmarktabenteuer. Die Tür geht auf und ich stehe mitten in London. Im Jahr 1763. Die Gassen sind dunkel, vereinzelt höre ich ein Keuchen, Laternen leuchten mit echtem Kerzenlicht, eine Droschke fährt mit hoher Geschwindigkeit an mir vorbei, ich erhasche einen kurzen Blickkontakt und begegne…

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jens: Monday, 12. December 2011, 23:19 in Allgemein