Archiv für den Monat April 2012

Das Ding Liebe

Ist es nicht kompliziert? Wäre es nicht schön, wenn es einfach einfach wäre? Diese Liebe. Nur ein chemischer Prozess im Körper. Ein paar Hormone, die gemixt werden. Hier eine Verdrahtung im Hirn, dort eine Leitung gelegt. Letztlich für den Fortbestand der Menschheit. Und einige andere Annehmlichkeiten des Alltags.

Sie ist ein luftiges Wesen. Eher Fee als Erdbewohner. Eher trippelnde Leichtigkeit denn tragendes Gewicht. Immer in Bewegung. Immer auf dem Sprung, immer mit Flausen, Fransen, neuen Ideen im Kopf. Ich hatte einmal an die alte, alte, reife, wunderbare Liebe geglaubt. Diesen Zustand, wenn sie eingesickert ist, alles durchwoben hat, satt getränkt. Wenn sie überall liegt, in den Fotos im Kopf, im Geschmack, Geruch. Ein Hauch nur, ein Anflug und sie ist da. Auch leicht, auch tänzelnd, die erfahrene feine Dame. Nicht in Beton gegossen, nicht gezähmt, nicht die Hände gebunden. Vielleicht weise, vielleicht stiller, vielleicht tiefer. Auf jeden Fall ruhiger, weniger zehrend, fressend, gierend.

Die junge Liebe dagegen ist wie ein junger Hund. So schön anzusehen. Süß. Diese Augen, tapsigen Pfoten, das Unbeholfene. Herumspringen, herumtoben, Lebendigkeit. Zu schnell kommt der Übergang, das Herauswachsen. Das Sterne in Blumen in Gepresstes fürs Poesiealbum verwandeln. Ein rasches Herabsteigen. Und dann? Kommt die Arbeit. Das Schleifen, Formen, Erziehen. Die Liebe erziehen? Wie einen Baum schneiden? Den Wuchs vorgeben? Die Richtung?

Wenn Zwei kommen und sich entscheiden, gemeinsam zu gehen, lauern am Wegesrand die Gefahren des Alltags. Das Profane drängt sich auf. Die Absprachen. Wer trägt was. Wie lang sind die Tagesetappen. Und überhaupt. Nach Tagen, Wochen, Monaten des Laufens kommt die Frage nach dem Ziel, dem Sinn und Zweck als Boden der Liebe. Dann trifft der Vermerk, der Verwaltungsakt das Zentrum der Gefühle und Leichtigkeit beginnt, sich kleine Gewichte ans Gewand zu heften.

Warum ist die Liebe nicht einfach einfach. Wieso gelingt es nicht, sie im Moment zu halten. Immer im Momemt, ohne jemals an Zukunft zu denken. Ich wäre heute an einem anderen Ort. Dort, wo es schön ist. Wo ich mich wohl fühle. Wohl gefühlt habe. Nun sitze ich hier und schreibe. Schreibe. Wie immer. Worte, Worte. Es ist der Morgen des 27. Aprils 2012. Logbuch. Die Segel gestrichen, unterwegs im ruhigen Gewässer, werden später den Sextanten hervorholen und sehen, wohin die Reise geht.

Mein Bruder wird heute 51 Jahre alt. Und ich sitze hier. Mache mir Gedanken über die Liebe. Versuche sie zu fassen und weiß, dass sie mir aus den Fingern flutscht wie ein glitschiger Fisch. Der Morgen war verplant für schöne Dinge. Es wäre gut gewesen. Kaffee. Reden. Nähe. Schließe die Augen für einen Augenblick. Atme tief. Aus dem Bild gehen. Zurückkommen. An den Schreibtisch. Die Realität. Die Realität, die Wirklichkeit, das Spiel und das Leben. Habe gleich einen Termin in Köln. Business. Texte. Geld. Handfestes. Zukunft. Erfolg. Würde.

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jens: Friday, 27. April 2012, 07:42 in Allgemein

Pornokings:)

Gestern Abend war ich auf Facebook unterwegs. Heute wird es mal etwas härter:) Warning. Keep out, if you…

Jetzt möchte ich gerne mal in euren Kopfkinos auf die Leinwand schauen. Porno. Facebook. Also wirklich.

Aber tatsächlich handelt diese Geschichte im Endeffekt von Männern, die sich Pornovideos ausleihen. Aber nicht nur. Ich habe eine alte Brieffreundin wiedergetroffen. Oder umgekehrt. Sie mich. Moon. Damals. Es waren die Zeiten des Internethypes. Ich war gerade aufs Land gezogen, Zoe war geboren worden, ich hatte mich mit Telekomaktien eingedeckt und ziemlich viel Glück, dass die alte Schule mit einem relativ schnellen Internetzugang ausgestattet war. Sonst hätten wir unser Projekt hier direkt begraben können. Kein Internet, kein Job. Das wussten wir noch nicht, weil wir bis dahin tatsächlich Daten per Post und in Köln per Radkurier verschickt haben.

Es war die Zeit des Hypes. Alles ging. Die Kölner Agenturen träumten vom Börsengang, von Millionen, die hereingeflutet werden. Wahrscheinlich dachte ich, dass die Telekomaktien meine Altersfinca auf Malle sind. Abflug. Später wurden mir Laserdrucker und Autos angeboten. Die Agenturen mussten Kohle zusammenbekommen, um sich aus den teuren Mietverträgen am Ring, der geilen Meile Kölns, rauszukaufen. Ich partizipierte am Rande. Habe den ersten Internetauftritt von Netcologne getextet und hatte das Gefühl, im Internet dabei sein zu müssen.

Chats kamen auf. Ich wollte wissen, was das ist. Mitmachen, eintauchen, Internet atmen. So habe ich Moon kennengelernt. An einem Abend im April des Jahres 2000. Sie war damals 18 und ich 35. Wir haben uns Mails geschickt. Die liegen hier noch ausgedruckt. Habe ich gestern Abend in den Tiefen meines Büroschranks gefunden. Süß. Ein dicker Stapel. Den letzten Kontakt hatten wir 2006. Sie war dann im Studium. Heute ist sie Grundschullehrerin und hat mich letzte Woche auf Facebook kontaktet. Seither chatten wir ab und an. Lustig. Irgendwie kennen wir uns, obwohl wir uns nie gesehen haben. Wir wissen Dinge voneinander…

Gestern Abend hat sie mir geschrieben, dass sie während des Studiums in einem Pornovideoverleih gearbeitet hat. Darüber hat sie acht Texte geschrieben, die sie mir gemailt hat. Ich habe sie gefragt, ob ich darüber bloggen darf. Mein Gehirn ist mittlerweile auf Storys und Blog programmiert. “Ja, kein Problem. Gerne.” Sie hat mir die Texte geschrieben und ich bin in die Dunkelheit der Pornoabteilung abgestiegen und in die Wünsche von Männern. Schon komisch, wenn man als Frau Pornos ausgibt.

Ich habe euch zwei Abschnitte rausgesucht. Was sagt man dann? Viel Spaß? Moon wusste auch immer nicht, was sie sagen soll. Bei “Schönen Abend” fiel es ihr immer schwer, den ironischen Unterton rauszunehmen. Hier also zwei Stellen aus den Originaltexten:

“Kunde gibt bestimmt 5 DVDS als defekt zurück. Mein Kollege weiß nicht, ob er so viele nachlassen darf. Schaut sich die DVDS an. Wundert sich, dass sie so extrem verschmiert sind. Ruft den Chef rüber. Der schaut sich ebenfalls die Scheiben an und meint zum Kunden: „Sag mal, was machst du denn mit den Filmen? Kein Wunder, dass die nicht laufen. Die sind ja komplett verschmiert!“
Der Kunde: „Ich creme mich eben immer vorher am ganzen Körper ein, bevor ich mir einen Film reinziehe. “ Pfui Teufel! Das Schweigen der Lämmer lässt grüßen! Fetische in allen Ehren, aber so was will man echt nicht wissen!”

„Hi, du, ich hab mal ne Frage! Ich habe mich jetzt schon die ganze Zeit umgeschaut, aber hab nichts gefunden.“ Na rück schon raus damit, dann kann ich endlich essen! „Ja, also, ich hab gehört, es soll bei euch so Filme geben.“ „Ja? Was denn für welche?“ „Ähm, das ist mir ja jetzt schon ein wenig peinlich, aber so mit Kaviar und so.“ Was labert der? Kaviar? Kann schon sein, woher soll ich das wissen? „Hm, weiß ich auch nicht, kannst du mir denn einen Titel nennen, dann sag ich dir, wo er steht.“ „Nein, kann ich nicht, aber ich meine, so was mal bei euch gesehen zu haben.“ Hallo? Was willst du von mir? „Kannst du mir das vielleicht genauer erklären? Dann frag ich mal nach.“ Räuspern: „Naja, also da sitzt die Frau oben und…“ IHHHHHHHHHH!!!!!!
Den Rest höre ich gar nicht mehr. Urgs! Pfui! Was bist du denn für einer?! Igitt! Das soll Kaviar sein?! Hilfe, wo bin ich hier gelandet?! „Nein, sorry, ich habe keine Ahnung, ob wir so was haben.“ Und ich wills auch nicht wissen!! Am liebsten hätte ich gerade einen Ekel-Schrei-Schüttelkrampf. Kann mich fast nicht zusammenreißen. „Werde später mal nachfragen, kannst ja morgen noch mal vorbei kommen.“ Das werde ich sicherlich nicht, sollen die morgen damit zurechtkommen! Boah, so einen Würgereiz hatte ich schon lange nicht mehr. Da denkt man an nichts Böses und dann so was! Das kann doch nicht wahr sein. Toll gemacht, jetzt kann ich bestimmt nichts mehr essen.”

Danke, Moon, für die Texte und dein Vertrauen. Ich denke, ich bin froh, mit Bafög, Hiwi-Jobs und Sommern in der Getreideernte in der Eifel durchgekommen zu sein:) Irgendwie haben mich die Texte an Charles Bukowski erinnert. Gott habe ihn selig, den Pornokönig der Literatur.

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jens: Thursday, 26. April 2012, 07:08 in Allgemein

A big, fat slope!

Suddenly. Kurzgeschichten sollten unvermittelt beginnen. It happens. Es geschah. English for runaways. Otto. Es war dieser Tag, als sich plötzlich die Erde verdunkelte. Es schob sich etwas vor die Sonne, das größer war. Die Krümmung des Raums hatte nach Einstein eine Dimension erreicht, in der sich Materie maximal verdichtet, um sich einen kurzen Augenblick später ins Unendliche zu transformieren. Wie eine Explosion, eine Eruption in der Stärke berstender, verliebter menschlicher Herzen. Unermesslich.

Die Welt verdunkelte sich wie in den düstersten Tagen. Armageddon. Das jüngste Gericht. War da. Die Boten der finsteren Welten erstanden auf aus den Tiefen der Seelen. Materialisierte Wesenheiten formten sich im martialischen Klang der Maschinen. Stockhausen meets Emmerich. Geräusche, Laute wie in Jahrtausenden gesammelt pressten sich aus den Trompeten von Jericho. Dort stand ich am Ende der Welt, wo die Schiffe die Kante hinabstürzen und Seemänner ein letztes Mal die Hände zum Gebet falten.

Was? War? Geschehen?

THE SLOPE. Vom Himmel gefallen. In unseren Garten. Nachbargarten. Wir leben hier auf dem Land, wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt. Hier laufen die Dinge anders. Projekte entstehen und werden durchgezogen. Tatkraft. An diesem beschriebenen Samstagmorgen tauchten Männer auf. Mehrere. Und Maschinen. Große. Es ging darum, eine beträchtliche Menge Erde verschwinden zu lassen, die an anderer Stelle übrig war. Sehr viel Erde, die von einem Kettenbagger auf einen LKW geladen wurde, der sie in permanenter Fahrt in den Garten unserer Nachbarn ergoss. Sehr nette Nachbarn, die ich sehr mag. Ich bin nur gerade dabei, die Veränderung an der Nordseite unseres Hauses zu verarbeiten. Denn letztlich ist da ein gigantisches Erdufo gelandet. Starwars. Transporter der imeprialen Truppen. Braun, düster, matschig. Ich schätze mal über 500 Kubikmeter oberbergischer Vaterboden.

Das hat den Blick aus dem Küchenfenster heraus verändert. Und mit Veränderung tun sich Menschen ja bekanntlich schwer, obwohl ich schon so gut wie durch bin, weil in meinem Leben Veränderung momentan eher die Regel denn die Ausnahme ist. Nichts bleibt, wie es ist. Also. Akzeptieren. Sichtweise ändern. Gut finden. Das Monster rausnehmen, aus meinen Gedanken. Umswitchen. Tatsächlich geben unsere Nachbarn alles. Weil die wirklich sehr, sehr nett sind. Erste Aktion war die Pflanzung eines Baumes, kurz nachdem der Bagger den Erdhügel hat landen lassen. Nun kommen Blumen an den Hang, der zu unserem Garten abfällt. Das wird sehr schön. Wenn ich die Augen schließe und in die Zukunft schaue, sehe ich obendrauf den Baum blühen, das grüne Gras wachsen und zu unserem Garten hin leuchten die Blumen. Also? Super. Alles bestens. Jetzt bin ich nur gespannt, was als nächste Veränderung eintritt. Alles ist möglich. Anything. Hätte da ein paar Wünsche. Schicksal, hallo? Verbunden? Können wir mal sprechen, hast du fünf Minuten Zeit… Also…

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jens: Wednesday, 25. April 2012, 07:34 in Allgemein

CUT!

Ab. Radikal. Heute Morgen wollte ich zum Friseur. Haare ab. Neuer Schnitt. Ich kam aus meinem Zimmer, ging ins Bad und dachte. Denkende Blogger, so’n Quatsch. Was da bei rauskommt. Cut! Haare ab. Maschine raus. Spiegel, Waschbecken, Stecker, Aufsatz, 3 mm. Angesetzt. Durchgezogen. Nein, ihr bekommt kein Foto. Gibt keins.

Stattdessen ein Foto aus den Cinque Terre, das mir heute vor die Füße gefallen ist. Ab und an poste ich Fotos auf Pinterest und Tumblr. Auch ein paar Texte, die manchmal hier nicht erscheinen. Mal so, mal so.

Cut. Mal gedanklich wegbeamen hier. Ruhe. Im Sommer wieder. Drei Wochen. Italien, Meer. Piper Bar. Fahrrad fahren. Vom Meer rauf zum Kloster auf 500 Meter. Mittagessen, Cappuccino auf der Terrasse. Ich hoffe, das Kloster hat das Unwetter im letzten Jahr überlebt. Bin gespannt, welche Spuren da hinterlassen wurden. Ob man wieder nach Vernazza rein kann. Ihr könnt immer noch spenden. Rechte Blogseite oben.

Dieser Tag auf dem Foto. Es war so heiß, der Zug hatte Verspätung, wir saßen in der prallen Sonne, tranken Wasser aus dem Wasserhahn auf dem Bahnsteig. Ich glaube, es ist der Bahnhof in Riomaggiore. Aus dem langen Tunnel heraus, an dem Heimatmuseum vorbei, durch die Unterführung und dann liegt es da, das Meer. Wie immer. Die Sonne spiegelt sich, draußen schweben die Segelboote. Die Luft ist voller Licht, der Bahnsteig voll von blühendem Oleander. Üppig. Alles ist üppig. Nur ganz selten Wolken.

Ich sollte hier nicht im Büro sitzen und bei 17 Grad im T-Shirt bloggen, während ich an Italien denke. Gänsehaut. Schön doof. Freunde, ich muss los. Cooper meldet sich. Hey, spät dran. Haarschneideaktion, sorry. Out of time. Kann ja mal passieren. Gleich ein Telefontermin. Job. Heute Abend Elternabend. Vorbereitung Klassenfahrt. Nächste Woche, mit Zoes Klasse drei Tage an die Mosel. Fahrrad fahren. Ich begleite. Ciao, ciao. Bis demnächst:)

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jens: Wednesday, 25. April 2012, 07:34 in Allgemein

Hallo? Hallo? Haben wir ein Problem?

Houston? Eins, eins, eins. Haben wir ein Problem? Are we connected?

Unterwegs in der Rakete in fremde Galaxien. Kolonien der Neuzeit erobern, the new “Free State of Facebook”. Der Ort der Künste, von dem Nietsche geträumt hat. Wagner. Der neue Mensch. Der Antimensch, der Antichrist. Herr Schönlau, Thema! Ach ja.

Jeden Augenblick könnte es zu spät sein. Die Wörter könnten abreißen, die Silben verschwunden gehen. OFF. Für Wochen. Vom Netz getrennt. Ich sage das böse Wort. Ich werfe es in den Ring, die Waagschale: Telekom.

Heute. Wir haben einen Termin. Umstellung. Irgendwann wird das Telefon ein letztes Mal per ISDN läuten und dann… You never know. IP. Internet Protocol. Telefonieren über das Internet. Im ländlichen Raum leben wir mit DSL-Geschwindigkeiten von 3000. 6000 heißt der Vertrag, physikalisch machbar sind 3000 und wenn der Nachbar saugt, wirds enger. Kürzlich habe ich mal wieder den Telekom-DSL-Check im Internet gemacht. Spieglein, Spieglein an der Wand, was gibt die Telefondose an Speed her. Lebensader. Bytes wie Sauerstoff. Online-Atmung. Puls der Zeit. Heartbeats. 16.000 Beats per Minute.

Stand da. Hallo? Was? DSL 16.000? Bitte. Ich auch. Wir auch. Könnt ihr nicht? Büüüüttteeeee. Ich habe angerufen und bin mit der Business-Hotline verbunden worden, obwohl wir keinen Business-Anschluss haben. Wir sind konservative, wechselscheue, treue Kunden des rosaroten Panthers. Selbst das Aktiendebakel mit Lehrgeld (Hallo mein Freund, Manfred Krug! Wie geht’s? Grrrrrr.) hat mich nicht abgehalten. Never change a winning Team. Alles mitgemacht, was geht. Wochen meines Lebens in Hotlines verbracht. Mit Menschen mit sächselndem Akzent gesprochen, die irgendwie auch nichts dafür konnten. T-Storys. Ihr alle kennt sie. Horror. Kann man ganze Partyabende mit verbringen und sich richtig mies draufbringen.

I called the T. Wollte das aus einem menschlichen Mund hören: Ja, sie können DSL 16.000 haben. Da war ein Mann in der Leitung mit ruhiger Stimme. Sehr freundlich. Sympathisch. Ich wusste nicht, ob der nur gut spricht, oder auch Ahnung hat. Skepsis. Hatte ich mich verwählt? Der wollte meine T-Kundennummer. Musste doch eigentlich mit rechten Dingen zugehen. Wir haben eine Dreiviertelstunde miteinander gesprochen. Er hat mir alles erklärt, jede kritische Frage ehrlich beantwortet. Gut. Pluspunkt. Auf der natürlichen Telekom-Bewertungsskala von 0 bis 10 hat er den Rosariesen von einer -5 auf eine schwarze Null gehoben. Und dann der Satz: “Herr Schönlau, ich werde jetzt für Sie alle technischen Fragen rund um ihren Anschluss und die Umstellung klären und sie morgen zwischen 10 und 11 Uhr unter dieser Nummer anrufen.” Klar, ne. Wie immer. Kein Schwein ruft mich an. Guter Joke, ne Hotline, die zurückruft. Mit ZEITANGABE! Ja. Klar.

Nächster Tag: 10.30 Uhr. Ring. Nee, ne. Doch. Himself. “Herr Schönlau, wir können Ihnen den 23. April als Umstellungstermin anbieten. Ein Techniker wird in der für Sie zuständigen Schaltzentrale den Austausch der Komponenten vornehmen. Ich werde Ihnen nun erklären, wie die Umstellung erfolgt. ist Ihnen das Recht?” Äh. Du bist von der CIA. Du bist vom verfassungsschutz und checkst, ob ich NSDAP-V-Mann bin. Du bist nicht von der TELEKOM! Definitiv.

Alles geklärt. Am nächsten Tag kommen die Unterlagen. Dann kommt der neue Router. Dann kommt ein Schreiben mit Installations-CD und Konfigurationsbeschreibung, die so gut ist, dass sie alles erklärt, als wäre ich sechs Jahre alt. Am Freitag dann ruft mich ein Techniker auf dem Handy an. “Guten Tag, mein Name ist XY. Wir werden Ihren Anschluss am Montag auf IP umstellen. Haben Sie Fragen?” Ich gehe mit ihm alles durch. Den Anschluss unserer bestehenden Telefonanlage an den neuen Router. Die Konfiguration. Das Eingeben der Telefonnummern und Zugangsdaten. Wir telefonieren mindestens eine halbe Stunde. Der Mann hat die komplette Ahnung. Wir reden über Nullbusse und so’n Kram. Am Ende sagt er: “Herr Schönlau, sollte die Konfiguration nicht funktionieren, was ich nach unserem Gespräch nicht glaube, schicken wir Ihnen einen Techniker.” Äh. Platt. Is jetzt nich wahr. Das sind Aliens, die sich verstellen. Schicken einen Techniker? Die Kavallerie. Der Telekom-Hubschrauber über unserem Haus, das Geräusch eines rosfarbenen UFOs, ein Techniker im rosaroter Panther-Kostüm seilt sich ab und rettet uns. Was haben die denen gegeben? Was für Zeugs nehmen die jetzt?

Dann allerdings haben sie es übertrieben. Samstag kam noch eine SMS, die noch einmal an den Umstellungstermin erinnert hat. Als könnte ich den vergessen haben. Wie denn? Nach all den väterlichen Gesprächen mit Telekommunikationsmännern. Heute nun die Stunde der Wahrheit. Noch schreibe ich. Noch blogge ich. Noch ist alles beim Alten… Wir werden sehen, wie die Geschiochte ausgeht. Die Stunde Null rückt näher und es wird sich zeigen, ob die Taten zu den Worten passen.

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jens: Wednesday, 25. April 2012, 07:33 in Allgemein

Wie wollen wir verdammt nochmal leben?

How?

Gehen. Durch den Tag. Durch die Nacht. Gedanken. Was wird? Werden? Sein? Freud, Nietzsche. Die ewige Fragerei, der niemals stillstehende Moment der Entscheidung. Tiefe, Höhe, Fall, Eskalation, Kompromiss, Möglichkeiten, Abschätzungen, Wahrscheinlichkeiten. Züge. Geplant, geformt, ausgeführt, verworfen.

Was ist Leben?

Sich auf den Kopf stellen, die Perspektive wechseln.

These 1: Nichts ist.

Klingt esoterisch. Habt ihr eine Tür in eurer Wohnung, in eurem Haus, in eurem Sein, die offen steht? Könnt ihr rausgehen und die Welt mit anderen Augen sehen in jedem Augenblick? Oder hält euch etwas. Halt, Ort, Wichtigkeit. In jedem Augenblick ist es möglich, von Bord zu gehen. Das Schiff nach Übersee zu nehmen. Das Glück in der Ferne zu suchen oder ein Dorf weiter oder entlang der Autobahn dort hinten an der Abfahrt links. Nichts ist betoniert, was sich nicht auflösen ließe. Niemand zwingt zu irgendetwas. Nur wir selbst.

Blicke durch das Dachfenster. Hänge ein Gedicht auf. LOVE YOU.

Chatte, surfe, fliege.

Was ist Zukunft? Was ist der Plan? Und immer der Plan B. CDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ und dann? Hechten, laufen, planen, planen. Entlang der Wege, Koordinaten, Annahmen. Putzen, machen, tun, Zeit verlieren.

Ich habe doch die Erfahrung. Das Leben formt, gibt die Richtung, erzählt die Geschichte. Die Ziele, die Träume. Sie brauchen Ziel, damit sie wissen, wo die Reise hingeht. Bullshit. Sie brauchen ein Leben. Erst leben, dann planen. Erst fallen lassen, dann auffangen. Das Netz nicht bauen, wenn niemand in der Luft ist.

Kennt ihr Portishead? Habe mir gerade drei CDs bestellt. Sind gestern angekommen. Zwei Songs. Natürlich auf Facebook entdeckt. Over. Glory Box.

Glaubenssätze auflösen. Katharsis. Reinigen. Gewicht abwerfen. Konsequent sein.

These 2: Alles ist.

Jetzt. Hier. Möglich. Der Blick ist es, der die Hand führt. Entfesseln. Das Fernglas weglegen. Die Lupe. Hinsetzen. Geschehen, geschehen lassen. Es geschieht so viel. Der Mann, der an der Bushaltestelle sitzt und jeden Bus passieren lässt. Kein Ziel, kein Wunsch, kein Traum. Angekommen. Sitzt dort, lebt. Was geschieht, egal. Das Gespräch mit der alten Frau. Er sieht den Kuss des jungen Paares. Ein Kind fällt. Eine Zigarette wird weggeschnipst. Bilder, Leben, Fülle. Reichtum ohne zutun. Worauf hinarbeiten? Was noch, noch, noch erreichen wollen? Den höheren Berg? Den noch besseren Menschen?

Auf den Kopf stellen, die Perspektive wechseln. Rausgehen und schreien. Rausgehen und stumm betrachten. Rausgehen. Schutz aufgeben. Entschützen. Öffnen. Passieren lassen. Auf dem Bett liegen. Portishead hören. Zum Fenster rausschauen.

LOVE.

YOU.

YOURSELF.

ME.

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jens: Friday, 20. April 2012, 09:39 in Allgemein

Happy Birthday, Mr. Schönlau!

Sorry. Ich entschuldige mich vorab für Egoismus und Selbstdarstellung:) Aber heute Morgen ist mir danach, den gestrigen Tag nachklingen zu lassen. Es war so schön. So schön. So ein Tag, so wunderschön wie gestern… (Die Fischerchöre singen, der Geist von Rudi Carrell dirigiert und vom Himmel regnet es rote Rosen. Wie im wahren Leben.)

Ich bin auf Droge. Restalkohol. Châteauneuf-du-Pape (still remebering Daddy, er hat mitgefeiert), Champagner, Baileys. In Maßen. Aber nach wochenlanger Alkoholabstinenz (mit kleiner Ausnahme, you know) doch ganz schön intensiv.

Er war lustig, der Tag, der Abend. Bis in die Nacht. Es tauchten onanierende Stallhasen auf und es wurde ein Küchenrap am Telefon gesungen. Ich wurde reichlich beschenkt mit Geschenken, Anrufen, guten Wünschen, Umarmungen, Drückern. Auf Facebook hatte Gerd einen Glückwunsch gepostet, was eine Lawine ausgelöst hatte. Und hier im Blog natürlich. Und Mails. Hach. Wie hat sich die kleine Seele gefreut. Wie eine Primaballerina auf Zehenspitzen zu Schwanensee getanzt. Leicht, fröhlich (Ohne zu sterben.)

Vor dem Geburtstag hatte ich ein wenig Schiss. Wie würde das sein, 47 zu werden, ohne Freundin. Würde es sich einsam anfühlen? Wäre ich allein, vergessen, das arme Hascherl am Ende der Straße in dem alten vergessenen Haus hinten rechts im Zimmer nach Norden? Wie gestern gesagt: Ich hatte mich anders entschieden. Zur Fröhlichkeit. Zur Feier des Tages. Deshalb hatte ich Champagner gekauft und Erdbeeren.

Nachmittags rief mich Jens an. Neues assoziiertes Familienmitglied. Er hat mir gratuliert. Ich habe mich sehr gefreut und ihn für den Abend eingeladen. Er hat zugesagt und ist gekommen.

Vorher saßen wir im Ofenzimmer. Ich habe zur Feier des Tages Crêpe in die Pfanne gehauen. Ela hat Kissen auf den Boden gelegt und wir haben dort gesessen und gegessen und getrunken und gelacht. “Im Gartenbau hat der Herr X. uns erzählt, dass die männlichen Kaninchen im Stall alles weiß machen, weil die nicht zu den weiblichen Kaninchen kommen. Die würden w…” Holla. Da wäre ich wirklich nun beinahe an meinem Crêpe erstickt. Prust. Es wurde dann unanständig und hier stelle ich die Berichterstattung ein, weil bestimmte Familienmitglieder ins Detail gingen, wie so Hasen das machen… Also wirklich. Anstand und Sitte. Hallo?

Dann kam Jens hinzu und das Telefon hörte nicht auf zu klingeln und ich sprach mit meinen Brüdern, mit denen ich im Juni segeln gehe, verabredete, dass wir mit dem neuen Wohnwagen meines kleinen Bruders fahren, und mit Andreas aus Aachen habe ich telefoniert, der heute für drei Wochen nach Spanien fliegt und schließlich mit meinem weiteren Jens, der mich mit einem selbstgeschriebenen Rap überraschte. Wir treffen uns am Samstag, um gemeinsam für meine kleine Party am Abend zu kochen. Das hat er treffend in Worte gefasst und dazu gesungen. Göttlich, der Mann! Mein Commander. Kann man sich eine Million prozentig drauf verlassen. So werden wir am Samstag zu dritt als Jens, Jens & Jens hier in der Küche stehen, Wein trinken, dummes Zeug reden und hoffen, dass uns irgendwer per Erleuchtung zu guten Ergebnissen führt. Wobei es auch passieren kann, dass am Abend die Gäste kommen und… Wir werden sehen.

Dann gab es Champagner und Erdbeeren. Dolce Vita. Wie süß kann das Leben sein? Und zum Schluss ging ich glücklich und allein in die Nacht und trank einen Baileys auf Ice with somebody special. Musik gehört, geredet, gesponnen, geflogen. Es wird vorerst nichts aus dem Plan mit der langen ruhigen Ebene. Scheint einfach nicht dran zu sein. Gehen. Thomas Bernhard. Gehen und denken. Wie Kant, Heidegger. Bernhard schreibt in “Die Jagdgesellschaft”: Gehen ist die bessere Bewegung. Sich bewegen. On the Road sein. So it is. You never know. Extreme Ways.

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jens: Thursday, 19. April 2012, 13:25 in Allgemein

Patchwork update X.0

Tja.

Was nun, Herr Schönlau?

Erst einmal eine Warnung für die amerikanischen und sensibleren Leser/innen des fiftyfiftyblogs. Der folgende Beitrag könnte Spuren von Seelen-Exhibitionismus enthalten. Sollten Sie zu Voyeurismus neigen oder schnell das Gefühl haben, sich fremdzuschämen oder peinlich berührt zu sein, empfehle ich dringend ein wegklicken. Ich weiß noch nicht, was kommt, aber es könnte intimer werden, als Sie sich das wünschen. Last Exit. WARNING! Keep out, if…

Heute habe ich Geburtstag. Danke! Ich weiß. Ihr seid wirklich gut zu mir. Ich werde 47 Jahre alt. Geweckt worden bin ich von der Familie. Die Tür ging auf, Zoe kam rein, Jim, Ela, Cooper. Mit einem Tisch und Blumen und Kerzen und Geschenken. Familienidyll. Jens war nicht dabei, aus Rücksicht. Ich hätte mich gefreut, aber es ist nicht ganz einfach, ein Familienleben zu ändern und Experimente Wirklichkeit werden zu lassen. Man muss an Träume glauben und gleichzeitig der Realität standhalten. Kein leichtes Unterfangen. In diesen Tagen spüre ich, was es heißt, zu Entscheidungen zu stehen. Ich sehe, was mein Kopf an Geschichten zu erzählen versucht. Welche Versionen abrufbar sind. Wie dicht Unglück und Glück nebeneinander stehen und es jeweils einer Entscheidung bedarf, eines von beiden zu wählen.

Das Unglück ist stärker. Die Geschichten sind weiter auserzählt und bequemer zu übernehmen. Da kann man sich dick und fett reinsetzen und bekommt dann Mitgefühl und Mitleid. Eine emotionale Falle. Die lauern hier gerade überall. Fettnäpfchen. Alltagskleinigkeiten, die das neue Leben dokumentieren. Gehe ich in den Schmerz? Gelingt mir die Freude? Mal so. Mal so. Wisst ihr, dass es schwieriger ist, das wahre Glück zu greifen? Sich intelligent zu entscheiden?

Heute habe ich mich entschieden, die Geburtstagsstory aus ganzem Herzen zu genießen. Das Geschenk anzunehmen und mich in dieses Gefühl des Getragensein durch Familie zu betten. Ich könnte jetzt behaupten: Das ist eine Lüge. Und Stimmen in mir flüstern das auch. Versuchen mir weiß zu machen, dass ich einem Trugbild aufsitze. Mich vom Leben verarschen lasse. Da ist so eine kleine Wut, die ich in letzter Zeit öfter spüre, die mich versucht in eine falsche Richtung zu lenken. Die Zügel anziehen. Die wilden Pferde zähmen, auf dem Weg bleiben. Eine Übung. Eine sehr feine, filigrane Übung. Eine permanente Selbstkontrolle. Ja, es ist richtig, was ihr jetzt denkt, das ist sehr anstrengend. Und ja, ich brauche Ruhepausen. Verschnaufpausen. Gestern wollte ich meditieren und bin dabei fast eingeschlafen. Dann habe ich mich aufs Bett unter die Decke gelegt, einige Mantras gesprochen und weg war ich.

Nun war gestern ein Tag, der mir die Energien einfach so rausgesaugt hat. Ich hatte eine Entscheidung zu treffen, die ziemlich schmerzhaft war. Wie ihr mitbekommen habt, hatte ich mich verliebt. Fast drei Wochen lang war da eine Frau, mit der ich in dauerndem Kontakt stand. Eine wirklich sehr besondere Frau. Ein endloser Chat, gegen den “Gut gegen Nordwind” eine Kindergeschichte ist. Ich habe wenig geschlafen, geschrieben, telefoniert, sie besucht. Es war so ungeheuer intensiv. Ich habe mit ihr Dinge erlebt, die ich noch nie zuvor getan habe. Es war so nah. Nun standen wir zuletzt vor der Frage, wie es weitergeht. Da hat sie Angst bekommen. Hat sich zurückgezogen, hat von einem Schachbrett gesprochen, das verrät, dass es keine Zukunft gibt. Und: Sie könne nicht akzeptieren, dass ich mit Ela zusammenwohne und zusammenarbeite. Ups. Wie sehr hätte ich es mir anders gewünscht.

An dem Punkt bin ich ausgestiegen. Es geht nicht. Es ist so schon schwierig genug, dieses Patchwork-Experiment auf die Reihe zu kriegen. Ich meine es ernst, wenn ich sage, dass die Kinder an erster Stelle stehen. Ich werde alles tun, dass sie ihr Leben hier erst einmal weiterleben können. Mit so wenigen Kratzern wie möglich. Das ist jetzt schon nicht so, wie ich es gerne hätte. Natürlich nimmt sie das alles mit. Natürlich gibt es schwierige Momente für sie. Nicht alle Bilder, die sie sehen, gefallen ihnen. Das kann ich nicht ändern. Aber ich kann für einen möglichst schonenden, langsamen Übergang sorgen. Rahmenbedingungen schaffen. Das geht nicht, wenn hier Dinge reinkommen, die das Experiment in Frage stellen. Wir sind auf einem guten Weg. Ich fühle mich wohl, wenn Jens hier ist. Er ist sehr feinfühlig und bereit, mitzutragen, mitzudenken, mitzumachen. Das ist nicht selbstverständlich. Ela hat eine gute Wahl getroffen.

Und ich muss mich wieder entlieben. War mal wieder zu schnell. Zu schnell gelebt. Zu schnell geliebt. Voreilig das Herz ausgepackt, die Schnüre gelöst, den Karton geöffnet. Eine alte Liebe entliebt mit einer neuen Liebe und nun. Manchmal könnte ich mich auf den Mond schießen. Da denke ich immer so viel und mache mir scheinbar doch keine Gedanken. Grenzenloser Optimist. Da ist dieses generelle Gefühl: Alles ist machbar, wenn man will.

Egal. Heute werde ich feiern. An meinen Vater denken, der mir immer erzählt hat, was an meinem Geburtstag geschehen ist. Es war der Ostersonntag 1965. Die Sonne schien. Meine Mutter im Krankenhaus, mein Vater in der Kneipe am Telefon. Ein Junge! Und er ist losgefahren, von der Straße abgekommen, über einen Acker wieder auf die Straße, von der Polizei angehalten worden und er durfte langsam ins Krankenhaus fahren. 1965. Father and son. Cat Stevens. Ela und die Kinder haben mir ein Teeservice geschenkt. In weiß. Sehr fein. Für meinen Kusmi Detox und mein Zimmer. Mit 47 wachsen die Erinnerungen. Es ist gut, sich darauf zu konzentrieren, was ist. Was da ist. Die Zeit für Träume wird kommen. Jetzt muss ich ausnahmesweise mal mit beiden Beinen auf dem Boden stehen und meinen Kopf aus den Wolken ziehen. Das gibt nur kalte Ohren.

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu schlimm und ihr kommt mit euren Lesegefühlen klar. Ansonsten ruft mich an, ich kümmere mich dann um euch:)

Zoes Geburtstags-Elfchen für mich. Ich darf sie bloggen, hat sie gesagt:

Bett mit Musik
im Kopf nur blau
blau vor Spannung
Vorgeburtstagsnacht

Papa hat Geburtstag
alles Denken nur grün
Grün vor Glück
schön

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jens: Wednesday, 18. April 2012, 07:24 in Allgemein

“Heute hinterm Mond” – Youtube, GEMA, Sven Regener

Ups! Da hat sich der Sven Regener aber aufgeregt. Der gute Herr Lehmann ist aus der Hose gesprungen. Im Radiointerview. Thema Urheberrechte und Youtube. Fünf Minuten hat er darüber im Radio gesprochen und damit die Netzgemeinde aufgebracht. Piraten versus Regener.

Natürlich steht die Rede längst in Youtube. Und ist nicht gesperrt. Wie so manches anderes. Gestern Abend wollte ich mir alte Jamiroquai Videos ansehen. Auf dem Jamiroquai-Youtube-Kanal. Da erschien das Bild oben. “Leider ist dieses Video, das Musik von SME enthält, in Deutschland nicht verfügbar. Die GEMA hat die Verlagsrechte hieran nicht eingeräumt. Das tut uns leid.” Yepp. Das tut uns allen leid.

Und was sagt uns das? So, wie es hier läuft im Staate Dänemark, so ist es nicht gut. Da ist etwas faul. Yes. Da haben sich ein paar Leute keine Gedanken gemacht. Da haben die Leute, die an einem Tisch sitzen müssten, um das Problem zu klären, ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Ich denke, Sven Regener hat mit seinem Aufreger generell Recht. Klar kann es nicht sein, dass die Jungs und Mädels Musik machen, sich was einfallen lassen und das wird dann in Youtube zum kostenlosen Verzehr ausgestellt.

Nur: So kommen wir nicht weiter. So läuft das nicht. Ich denke das größte Problem ist, dass dieser Urheberrechts-Mist und “wer kommt wie an Kohle” die Kräfte der Kreativen bindet. Zumindest bei einigen. Andere geben ja Vollgas. Sven Regener meint zwar, die Musikkultur in Deutschland würde den Bach runtergehen, aber das würde ich mal als Horrorszenario eines Angepissten abtun. Dennoch muss natürlich Geld fließen. Die Ideen, die Talente, die Musik muss bezahlt werden. Wo gibt’s denn sowas, die Kapelle spielt und keiner zahlt.

Hier scheint mir dann doch die Politik gefordert. Irgendwie passt das mit dem Netz und dem Urheberrecht nicht mehr. Alte Zeiten treffen neue Zeiten und an dieser Schnittstelle tauchen diese Youtube-Vermerke wie oben im Netz auf und verderben die Party. Regener will die Kohle von Youtube respektive Google, denen Youtube gehört. Die wollen nicht zahlen. Keine Kohle per Klick. Keine Ahnung, weshalb. Nun denke ich ist es an der Zeit, Rahmenbedingungen zu schaffen, die das kulturelle Leben in Deutschland fördern und nicht bremsen. Sperren und Verbotsschilder im Netz sind sicherlich nicht der Weg, die Potenziale der neuen Zeit zu nutzen.

Da möchten sich Menschen austauschen, Links posten, sich Musik zeigen, Videos einbinden, embedden und dann kommt die GEMA-Wüste. GEMA. Klingt wie GEZ. GE wie Gebühreneinzug. Unangenehmes Wort. Aber. Gut. Über den Schatten springen. Wir zahlen für Strom, Gas, Wasser, Versicherungsschutz, Radio und, und, und. Nun leben wir teilweise im Netz und zahlen nix. Den Zugang. Peanuts. Aber nicht für Inhalte. Weshalb? Weil es keinen Rahmen gibt. Kein System.

Würde bezahlt, was wäre möglich? Wer könnte plötzlich von Inhalten leben? Gute Blogger, Musiker, Künstler. Was da abgehen würde. Und bekanntlich sind die Kreativen ja die Vorreiter. Wo die ihre Ideen entwickeln, ziehen die anderen nach. Internetpower. Wow!

Wie so ein Bezahlsystem aussehen könnte? Keine Ahnung. Wer was bekommt? Klar, Schlacht am kalten Buffet. Wer einen Internetanschluss hat, sollte zahlen. Youtube sollte auch zahlen. Müssen. Kann ja nicht sein, dass die die Sachen einfach nehmen und der Rest interessiert sie nicht. Natürlich müssen Künstler entlohnt werden. Keine Frage. Da hat der Regener Recht. Nur muss das endlich in einem größeren Zusammenhang gedacht und umgesetzt werden. Dass wir nur hier in Deutschland “gesperrt” sind, ist Kleinstaaterei. Zollgrenzen des 18. Jahrhunderts. Das hilft keinem. Das ist letzlich Kleinkindertrotz, weil es keine Ideen gibt.

Das wäre eine gute Möglichkeit für die Piraten, sich mit Ideen und Konzepten zu beweisen. Zeigt mal, was ihr drauf habt. Hisst die Fahne und entert diesen Youtube-Sperren-Mist. Mit einer Lösung, die Spaß macht. Die Gewinn bringt für alle. Die intelligent und smart ist. Dann kann Sven Regener auch wieder cooler Rock ‘n Roller sein und muss sich nicht mit dem falschen “Scheiß” rumschlagen und rumärgern. Denn letztlich ist es so: Als Schriftsteller und Sänger von Element of Crime gefällt er mir viel, viel besser. Da kommt er auch angenehmer rüber. Ich hab versucht, euch auf Youtube mal was rauszusuchen. “Damals hinter Mond.” Nix gefunden. Gesperrt. Kann man nirgendwo hören. Hier nur eine Hörprobe auf Amazon. Wie absolut unsexy. Das ist natürlich dummes Element of Crime-Anti-Marketing. So bescheuert. Nun gut. Geld ist die eine Sache. Freiheit die andere.

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jens: Tuesday, 17. April 2012, 08:03 in Allgemein

Incredible

Wie ist das?

Wie tief?

Was ist das?

Wer?

Und wenn, ja.

Was nur?

Woher kommen diese Tränen?

Laufen, langsam

streicheln

Wo kommst du her?

Und wieso jetzt?

Was nur?

Was?

Berührt.

Durch die Fingerspitzen
Nervenbahnen
Zellwände
aufgelöst
aufgefüllt
neu verteilt

Spüre intensiv
so intensiv
so intensiv
so intensiv
so intensiv

Mich. Dich.
Dich. Mich.
Mich. Dich.
Dich. Mich.
Dich. Dich.
Dich.

märz 2012

jens: Thursday, 12. April 2012, 22:26 in Allgemein