Archiv für die Kategorie ‘Essen & Trinken’
Noch ist das Paradies nicht abgebrannt, aber es riecht schon etwas brenzlig. Die kenianische Armee hat vergangene Woche die Grenze zu Somalia überschritten, weil sich dort Terroristen versteckt halten. Die Leute von Al-Shabab, dem hiesigen Al-Quaida-Ableger, haben das nicht auf sich sitzen lassen und gleich Bombendrohungen von sich gegeben. Und plötzlich ist vieles anders mit dem Leben hier.
Nach so viel Anteilnahme möchte ich noch zwei Dinge zur Kuchen-Krise anmerken. Erstens will ich mal mit einem Bild zeigen, mit welchen Problemen wir hier zu kämpfen haben. Zweitens gibt es ansatzweise Entwarnung, und worin sie besteht, will ich Euch natürlich auch nicht vorenthalten.
Früher hatte ich entspanntes Verhältnis zu Kuchen. Erst, so ab Kleinkindalter, aß ich sie gerne. Dann, ab mittlerem Erwachsenenalter, fing ich selbst zu backen an. Die Eigenproduktion von Teigwaren dieser Art führte sogar in eine kurze tiefenpsychologische Krise. Doch das ist nichts gegen die Krise, in der ich mich zurzeit befinde. Denn seitdem ich in Kenia bin, gelingen mir keine Kuchen mehr. Sie gehen einfach nicht mehr auf.
Dienstag ist normalerweise ein ganz normaler Tag in Nairobi. Wenn ich nicht in die Innenstadt fahre, sondern mich durch die Vororte Richtung Shopping Mall schleiche, ist auch das Autofahren nicht besonders aufregend. Deshalb dachte ich mir nichts dabei, als ich am vergangenen Dienstagabend dorthin fuhr, um einzukaufen und mir für später eine Pizza mitzunehmen. Etwa einen Kilometer vor der Einfahrt zum Parkplatz musste ich unerwartet heftig auf die Bremse treten. Hier begann die Schlange der Wartenden.
Wir erwarten Besuch im Herbst. Gute Freunde aus dem Norden, also dem Norden Deutschlands, wollen kommen. Schrieben eben per SMS, dass sie sich schon sehr freuten, und fragten, welche Impfungen man hier eigentlich bräuchte? Habe kurz gestaunt. Hatte daran schon lange nicht mehr gedacht. Vorbei ist die Zeit, als ich vor der Abreise nach Ghana 2008 die Top Ten der Tropenkrankheiten und ihre wichtigsten Symptome auswendig herunterbeten konnte. Bilharziose, Malaria, Denge- und Gelbfieber, Typhus, Cholera und was weiß ich.
Ein kleiner Zettel am schwarzen Brett unseres Wohnviertels war schuld. Dort kündigte eine Italienerin ihren Kochkurs an. Ideal für eine First Lady wie mich, dachte ich, die ihrer schwer schuftenden Partnerin von Zeit zu Zeit etwas Gutes tun will. Auch war ich auf die anderen, echten First Ladies gespannt, die sich dort sicherlich einfinden würden. Aber ich hatte den wahren Charakter einer First Lady gründlich verkannt.
Das Blog schweigt. Weil: Der Blogger ist verreist, von Kenia nach Deutschland. Dort entmottete er vergangene Woche seinen 22 Jahre alten BMW, der in der Garage Dornröschen spielt. Alle halfen mit. Meine Mutter versicherte den Wagen, meine Schwester fuhr ihn zu einem günstigen Mechaniker und mein Vater brachte ihn zum TÜV. Die Herren dort freuten sich über den guten Zustand und verliehen ihm die Plakette. Die Deutschlandreise konnte losgehen.
Es war Freitag, und ich wollte für E. und mich abends ein Huhn im Ofen grillen. Kurz nach Mittag ging ich einkaufen. Als ich zurückkam, war der Strom weg. Damit begann ein neues Kapitel unter dem Motto “Lebe leichter ohne Technik”. Ein Kochrezept für zwei Personen und eine Petroleumlampe.
James Bond weiß immer genau was er will. Er würde nie die Getränkekarte einer Bar lesen, sondern bestellt immer denselben Drink, und das seit Jahrzehnten. Wer nach diesem Motto lebt, dem entgehen möglicherweise die kleinen Entdeckungen, die sich später prima als Blog-Ansichtskarte an die tapfere Wahl-Tokioterin eignen, die sich hier so kräftig am Blog beteiligt. Aber James Bond schreibt auch ja auch kein Blog.
In Ländern wie Ghana oder Kenia hat es der verwöhnte EU-Bürger nicht leicht. Mal geht das Licht aus, mal bleibt das Wasser weg, und allerlei Insekten und Kleintiere bilden ungefragt Wohngemeinschaften mit uns. Das alles schmälert die Lebensqualität. Ein wirklich wichtiger und dennoch bisher von der Wissenschaft weitgehend unbeachteter Indikator fürs individuelle Wohlbefinden ist aber der Nutella-Faktor.