Archiv für den Monat March 2012
Ich habe jetzt einen Assistenten, der das tippt, was ich ihm sage.
Schick, nicht?
Aber die Lösung ist ganz einfach. Ich habe schon seit längerer Zeit körperliche Wehwehchen wenn ich den ganzen Tag am Schreibtisch sitze und tippe. Da kam ich auf die Idee, es mit einem Spracherkennungssystem zu versuchen. Ein Programm, das durch meine Stimme gesteuert wird und meine Worte in druckreife Schrift umsetzt. So ein Programm ist Dragon NaturallySpeaking 11.5. Ich sitze hier gemütlich an meinem Schreibtisch und diktiere in ein kabelloses Mikrofon, und der Computer vor mir schreibt eifrig mit.
Natürlich gab es anfangs Schwierigkeiten. Das Programm musste sich erst auf meine Stimme und auf meine Sprechweise einstellen, um alle Wörter akkurat zu verstehen. Aber von Mal zu Mal, von Text zu Text, von Sprachtraining zu Sprachtraining wird es besser. Neue Wörter, ungewohnte Eigennamen oder unbekannte Marken kann ich dem System beibringen, in dem ich die Wörter selbst eintippe und vorspreche. Das Programm lernt schnell, und das macht Freude.
Ich muss sagen, ich war schon begeistert von der Auswahl der Trainingstexte. Das waren keine drögen Texthappen, sondern leckere Appetithäppchen. Zu Anfang musste ich etwa fünf Minuten lang einen interessanten Text zu Problemen der Spracherkennung lesen, und der Text war wirklich gut geschrieben und interessant. Ich hatte mir bisher keine großen Gedanken gemacht, was wir Menschen eigentlich alle für kleine Genies sind, in den unterschiedlichsten Umgebungen und Milieus Sprache filtern und verstehen zu können. Danke schon einmal für diese Erkenntnis.
Dann habe ich mir noch die Geschichte “Der Hase und der Igel” ausgesucht und einen witzigen Text eines amerikanischen Autors. Ich diktiere gerade eben jetzt mein Blog mit eben diesem Programm, und es macht wirklich diebische Freude, seine eigene Sprache in Sekundenschnelle auf dem Bildschirm” gedruckt “zu sehen. Ich weiß noch nicht, was das genau mit mir macht. Es fehlt ja das sinnliche Erlebnis der Berührung der Finger mit den Tasten. Dafür höre ich jetzt meine eigene Stimme. Ich bin sehr gespannt, wie sich das langfristig auf das Schreiben von literarischen Texten auswirkt. Natürlich erhoffe ich mir ungeahnte belletristische Höhenflüge! Frei vom Tippen und von der lästigen Anspannung im Nacken könnte ich ja geradezu geniale Gedankenstränge entwickeln. Aber ich muss gestehen, es ist noch nicht so weit. Und vielleicht wird es auch nie so weit sein. Nicht nur nicht, weil ich vorher noch alle Befehle lernen muss, wie ich mit meiner Sprache das Programm steuern kann…
Ich könnte auch den Rechner mit den Sprachbefehlen steuern. Also Dokumente öffnen, schließen, Programme aufrufen etc.. Aber dabei gab es einige Verwirrungen – ich beherrsche die Befehle noch nicht – und ich bin immer noch schneller mit dem Klick per Hand als mit den Befehlen per Stimme. Auch wäre es möglich, über eine App mobil in ein Iphone, Ipad oder in einen Ipod zu diktieren und das Diktat dann hinterher vom System “abschreiben” zu lassen. Das habe ich aber noch nicht testen können. (Just jetzt ging mein Ipod kaputt.)
Es gibt das Spracherkennungsprogramm für Windows 7 / Vista/ XP und für Mac OS X. Das Programm für Windows scheint mir ausgereifter und die Bedienung relativ einfach. Man merkt, dass für Windows schon lange entwickelt wurde. Beim Mac ist zwar das Design von Dragon perfekt angepasst , aber es bedarf einiger Einstellungen in den Systemen vorab. Unbedingt ratsam ist es daher, die Benutzerhandbücher vor Gebrauch sorgfältig zu lesen. Leider sind nicht alle Information in einer Druckversion auf der CD zu finden, sondern viele Informationen sind nur über die Hilfe-Funktion im Programm selbst einzusehen. Das finde ich ungünstig gelöst. Ansonsten bin ich mit dem Programm sehr zufrieden, auch wenn ich mich nicht blind darauf verlassen möchte. Eine abschließende Korrektur ist unerlässlich. Daher ist das Programm meines Erachtens auch nicht für Sehbehinderte geeignet (obwohl man sich die Texte auch vom Programm vorlesen lassen kann, aber dazu muss der Text markiert sein; abgesehen davon ist es auch nicht als eine derartige Hilfe gedacht), zum anderen reicht mir deswegen eigentlich eine preiswertere Dragon Version, die das Mikrofon per USB-Kabel anschließt. Ich hatte davon geträumt, mit einem Wireless-Kopfhörer, der immerhin 10 Meter Abstand zum Gerät erlaubt, frei umherlaufen zu können. Aber bisher sitze ich immer noch brav vor dem Bildschirm und passe auf.
Aber wer weiß? Vielleicht sind das Programm und ich in naher Zukunft so gut auf einander eingestellt, dass ich bald Bücher und Texte schreibe, während ich auf der Yogamattesitze und entspanne. Oder ich koche oder bügele oder fahre gerade lustig Fahrrad und mein Diktiergerät baumelt vor meiner Brust. Aber um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass ich diesen Zustand je erreichen werde. Es braucht doch eine recht klare Aussprache und wenig Nebengeräusche, damit das System meine Sprache erkennen kann.
Ich habe auf jeden Fall das Gefühl, dass mein Blog-Text schon sehr viel länger ist als sonst, und das liegt sicherlich daran, dass mein Assistent für mich tippt. (Ob ich jetzt ins Labern komme? :-) )
Fazit: Eine schöne Sache für all die, die ihre müden Schultern, Nacken und Arme bei der Büroarbeit etwas entlasten wollen. Und wer nicht so schnell tippen kann, für den ist es sowieso sehr praktisch.
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Hier geht es zu der Homepage von NUANCE, wo verschiedene Versionen angeboten werden (ich habe Dragon NaturallySpeaking Premium 11.5 wireless (Windows) und Dragon Dictate für Mac OS X getestet)
http://www.nuance.de/for-individuals/by-product/dragon-for-pc/index.htm
ulrike: Tuesday, 27. March 2012, 09:55 in
Allgemein
Es ist unglaublich, wie sich die Welt der Leser/innen und Autoren/innen in den letzten Jahren verändert hat, und das liegt zum großen Teil an der Entwicklung der Ebooks, der elektronischen Bücher. Wie viele Bücherliebhaber war ich am Anfang skeptisch, doch inzwischen bin ich tatsächlich so begeistert, dass ich kurz ein paar Funktionen darstellen will, die mir besonders gefallen.
Ebook-Reader sind für mich als Leserin interessant, nicht nur, weil ich auf langen Reisen unzählige Bücher mitnehmen kann und doch nur dieses kleine leichte Tablet mitnehmen muss, dass ungefähr die Größe meiner Hand hat, sondern weil ich die Schriftgröße meines Buches verändern kann. Wenn ich das Gefühl habe, die Schrift wird mir zu klein, kann ich mit ein paar wenigen Handgriffen die Größe so groß einstellen, dass ich meine Lesebrille nicht suchen muss.

Bei Sony PRS-T1 (EUR 149,-), der im ausgeschalteten Modus bei diesem Test-Modell einfach nur schön rot und schlicht ist, kann man diese Größen mit dem Zeigefinger und dem Daumen verändern, indem man mit einer bestimmten Bewegung über den Touchscreen fährt. (Kurz-Anleitung liegt bei.) Oder man geht über den Touchscreen in die Einstellungen.
Der preiswertere Kindle (EUR 99,-), der bei mir auch im ausgeschalteten Zustand ständig Werbung trägt, hat keinen Touchscreen, sondern Tasten, die von Menü zu Menü führen. Daher ist er auch nicht so für Notizen geeignet wie der Sony, bei dem man direkt auf die Seiten mit einem Spezial-Stift zeichnen und schreiben kann. Der Kindle hat nur eine Tastatur im Menü, bei dem man die Buchstaben einzeln anwählen muss. Wer also gerne in Bücher Notizen schreibt, ist mit dem Sony vielleicht besser bedient. (Wobei die Notizen erst wieder über den Computer nutzbar sind.) Ich habe da ehrlich gesagt keine Vorlieben. Ich bin es mit einem Touchscreen nicht gewohnt und mir liegt zur Zeit noch die handgreifliche Variante über die Tasten mehr. Aber das kann sich ja noch ändern.
Lesen lässt sich auf beiden sehr gut. Es ist überaus angenehm, denn beide verfügen über die E-Ink-Technologie, eine Art digitale Tinte, die derzeit beste Technologie auf dem Markt, die viele andere Ebook-Reader noch nicht haben. Kein Vergleich mit dem anstrengenden Lesen auf dem Computer.
Und damit komme ich zu meinen persönlichen Highlight bei Ebooks: Ich kann mit dem Ebook meine eigenen Texte lesen. Es ist leicht, sie auf das Ebook zu laden. Nicht nur als pdf, sondern auch im Ebook-Format. Im Internet gibt es die Gratis-Software Calibre und damit ist mein Text im Handumdrehen für die Reader eingestellt. Das ist eine sehr schöne Sache für all die, die viel schreiben müssen und ihre Texte oft lesen müssen, um sie zu korrigieren. Es ist sehr entspannend für die Augen, nicht immer auf Computer-Monitoren zu lesen, und auch der andere Blickwinkel auf den Text ist erstaunlich hilfreich. Abgesehen davon, dass ich auch so die Textentwürfe meiner schreibenden Freundinnen ganz entspannt nachlesen kann und sie die meinen. Wir schicken uns unsere Texte über das Internet, laden sie auf die Ebooks und haben es so sehr leicht, uns zu beraten. Wir müssen nicht mehr vor dem Monitor hängen und uns die müden Augen reiben.
Bücher einkaufen geht über den Kindle leicht. Er ist über WLAN mit Amazon verbunden – ein Knopfdruck, und schon ist man um Geld ärmer, aber um ein Buch reicher. Bei Sony muss man erst über den Computer bei den großen Buchhandlungen im Internet kaufen und dann das Gerät mit dem Reader synchronisieren. Ich mache das aber auch beim Kindle, weil ich gar kein WLAN habe. Das ist kein großer Akt und ehrlich gesagt bin ich froh, nicht soooo leicht an Bücher kommen zu können. Mein Bankkonto dankt es mir.
Ein Vorteil hat der Sony aber dafür auf anderer Seite gegenüber dem Kindle: Immer mehr Stadtbüchereien und Bibliothen verleihen Ebooks über das Internet, und der Sony hat wie viele andere Ebook-Reader die Fähigkeit, diese Formate der Büchereien – das berühmt berüchtigte epub-Format – lesen zu können. Kindle geht da leider einen gesonderten Weg. Nur das, was über Amazon gekauft wird, kann legal auf dem Kindle gelesen werden.
Das heißt, mit einem epub-Reader können Sie für Ihren Mitgliedsausweis in der Stadtbücherei zu Hause bequem am Computer sitzen und sich Bücher runterladen und direkt auf den Reader holen. Das finde ich eine wirklich gute Idee, auch für Menschen, die nicht mobil sind. Derzeit sind noch viele Ebook-Büchereien im Aufbau, aber die Anzahl der Ebooks steigert sich täglich. Wenn Sie Interesse haben – rufen Sie bei Ihrer Stadtbücherei an. Auch zwischen kleinen Städten haben sich Netzwerke gebildet, die gemeinsam einen Ebook-Pool anbieten. Und die Damen und Herren dort können auch genau sagen, welche Ebook-Reader für die betreffende Bücherei geeignet sind.
ulrike: Wednesday, 14. March 2012, 11:56 in
Allgemein
Beim Lesen dieses Buches habe ich laut gelacht.
Eigentlich ziehen mich solche Titel nicht an. Schon das erste Buch von Netenjakob MACHO MAN hatte ich erst mit Argwohn betrachtet. Ich stehe nicht so auf Machos und ich konnte mir auch nicht vorstellen, wie man dieses Thema so gut aufbereiten könnte, dass es mir mehr als ein müdes Lächeln entlockten würde.
Aber ich habe mich geirrt. Moritz Netenjako – Comedy-Autor und Kabarettist – nimmt wirklich alle Klischees um Machos, Türken und Intellektuelle und serviert sie in in voller Pracht – und dann jongliert er mit ihnen. Witzig, klug und überaus vielschichtig.
Im ersten Teil MACHO MAN, der wochenlang auf der Spiegel-Bestseller-Liste stand, wäre Daniel gerne ein Macho, weil er sich selbst eher in der Kategorie “Weichei” sieht. Seine intellektuellen 68er Eltern haben ihm von kleinauf Respekt vor den Frauen beigebracht und mit Hausbesuchen von Alice Schwarzer den Feminismus eingeimpft. Das Ergebnis sieht er so: Während andere Jungs respektlos knutschen ist er der verkrampfte Zuschauer und Klassen-Clown, der auch als Erwachsener nicht mehr von dieser Rolle abweichen kann. Aber dann lernt er seine – türkische – Traumfrau Aylin kennen und versucht sie zu beeindrucken … Herrlich witzig!
Im zweiten Teil DER BOSS steht Daniel kurz vor der Hochzeit und seine zukünftige türkische Familie treibt ihn ebenso in den Wahnsinn wie die eigenen kopflastigen Eltern. Daniel schlittert von einer Katastrophe in die nächste. Ich habe vor allem bei der avantgardistischen Theater-Inszenierung von Dimiter Zilnik mit Ingeborg Trutz laut gelacht. Da hat ein Autor offenbar Todesqualen in unseren deutschen Theatern gelitten und sein Trauma zu unserem großen Vergnügen verarbeitet. Und auch wenn ich im zweiten Teil zwischendurch dachte, dass niemand solche Geschichten mitmachen würde, löst er die Geschichte doch sehr schlüssig und anrührend auf. Traurig und komisch zugleich.
Die große Stärke von Netenjakobs Büchern liegt darin, dass der Autor spielerisch unter die Oberflächen schaut und die deutsche und türkische Kultur wirklich zu verstehen scheint. Er beschreibt seine Figuren mit sehr viel Wärme und Zuneigung und eröffnet so liebevolle Sichtweisen auf Männer, Machos und Kulturen. Ich glaube, dieses Buch ist für Frauen UND Männer lesenswert und lustig.
(Ein bisschen hat mich DER BOSS an den Film MY BIG FAT GREEK WEDDING erinnert, aber ich fürchte, dieser Gedanke würde dem Vater von Aylin so gar nicht gefallen…:-) )
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Moritz Netenjakob: Der Boss
ISBN: 978-3-462-04387-7
Erscheinungsdatum: 12. März 2012
320 Seiten, Broschur
Euro (D) 14,99 | sFr 21,90 | Euro (A) 15,50
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Hier geht es zur Website des Verlags:
http://www.kiwi-verlag.de/die-autoren/autor/?id=1239
Und hier zur Website des Autors:
http://www.moritz-netenjakob.de/
ulrike: Sunday, 11. March 2012, 09:51 in
Allgemein