ulrike
Tagebuch eines Sensibelchens

Popcorn

"Mama", sagt meine Große, "du bist wie Popcorn! Du regst dich immer so schnell auf und platzt!" Und damit hat sie völlig Recht. Nur wie soll ich das abstellen? Folgen Sie mir auf meinem Weg zur inneren Ruhe, oder auch nicht...

DRAGON – Zum Diktat, bitte!

Ich habe jetzt einen Assistenten, der das tippt, was ich ihm sage.

Schick, nicht?

Aber die Lösung ist ganz einfach. Ich habe schon seit längerer Zeit körperliche Wehwehchen wenn ich den ganzen Tag am Schreibtisch sitze und tippe. Da kam ich auf die Idee, es mit einem Spracherkennungssystem zu versuchen. Ein Programm, das durch meine Stimme gesteuert wird und  meine Worte in druckreife Schrift umsetzt. So ein Programm ist Dragon NaturallySpeaking 11.5. Ich sitze hier gemütlich an meinem Schreibtisch und diktiere in ein kabelloses Mikrofon, und der Computer vor mir schreibt eifrig mit.

Natürlich gab es anfangs Schwierigkeiten. Das Programm musste sich erst auf meine Stimme und auf meine Sprechweise einstellen, um alle Wörter akkurat zu verstehen. Aber von Mal zu Mal, von Text zu Text, von Sprachtraining zu Sprachtraining wird es besser. Neue Wörter, ungewohnte Eigennamen oder unbekannte Marken kann ich dem System beibringen, in dem ich die Wörter selbst eintippe und vorspreche. Das Programm lernt schnell, und das macht Freude.

Ich muss sagen, ich war schon begeistert von der Auswahl der Trainingstexte. Das waren keine drögen Texthappen, sondern leckere Appetithäppchen. Zu Anfang musste ich etwa fünf Minuten lang einen interessanten Text zu Problemen der Spracherkennung lesen, und der Text war wirklich gut geschrieben und interessant. Ich hatte mir bisher keine großen Gedanken gemacht, was wir Menschen eigentlich alle für kleine Genies sind, in den unterschiedlichsten Umgebungen und Milieus Sprache filtern und verstehen zu können. Danke schon einmal für diese Erkenntnis.

Dann habe ich mir noch die  Geschichte “Der Hase und der Igel” ausgesucht und einen witzigen Text eines amerikanischen Autors. Ich diktiere gerade eben jetzt mein Blog mit eben diesem Programm, und es macht wirklich diebische Freude, seine eigene Sprache in Sekundenschnelle auf dem Bildschirm” gedruckt “zu sehen. Ich weiß noch nicht, was das genau mit mir macht. Es fehlt ja das sinnliche Erlebnis der Berührung der Finger mit den Tasten. Dafür höre ich jetzt meine eigene Stimme. Ich bin sehr gespannt, wie sich das langfristig auf das Schreiben von literarischen Texten auswirkt. Natürlich erhoffe ich mir ungeahnte belletristische Höhenflüge! Frei vom Tippen und von der lästigen Anspannung im Nacken könnte ich ja geradezu geniale Gedankenstränge entwickeln. Aber ich muss gestehen, es ist noch nicht so weit. Und vielleicht wird es auch nie so weit sein. Nicht nur nicht, weil ich vorher noch alle Befehle lernen muss, wie ich mit meiner Sprache das Programm steuern kann… :-)

Ich könnte auch den Rechner mit den Sprachbefehlen steuern. Also Dokumente öffnen, schließen, Programme aufrufen etc.. Aber dabei gab es einige Verwirrungen – ich beherrsche die Befehle noch nicht – und ich bin immer noch schneller mit dem Klick per Hand als mit den Befehlen per Stimme. Auch wäre es möglich, über eine App mobil in ein Iphone, Ipad oder in einen Ipod zu diktieren und das Diktat dann hinterher vom System “abschreiben” zu lassen. Das habe ich aber noch nicht testen können. (Just jetzt ging mein Ipod kaputt.)

Es gibt das Spracherkennungsprogramm für Windows 7 / Vista/ XP und für Mac OS X. Das Programm für Windows scheint mir ausgereifter und die Bedienung relativ einfach. Man merkt, dass für Windows schon lange entwickelt wurde. Beim Mac ist zwar das Design von Dragon perfekt angepasst , aber es bedarf einiger Einstellungen in den Systemen vorab. Unbedingt ratsam ist es daher, die Benutzerhandbücher vor Gebrauch sorgfältig zu lesen. Leider sind nicht alle Information in einer Druckversion auf der CD zu finden, sondern viele Informationen sind nur über die Hilfe-Funktion im Programm selbst einzusehen. Das finde ich ungünstig gelöst. Ansonsten bin ich mit dem Programm sehr zufrieden, auch wenn ich mich nicht blind darauf verlassen möchte. Eine abschließende Korrektur ist unerlässlich. Daher ist das Programm meines Erachtens auch nicht für Sehbehinderte geeignet (obwohl man sich die Texte auch vom Programm vorlesen lassen kann, aber dazu muss der Text markiert sein; abgesehen davon ist es auch nicht als eine derartige Hilfe gedacht), zum anderen reicht mir deswegen eigentlich eine preiswertere Dragon Version, die das Mikrofon per USB-Kabel anschließt. Ich hatte davon geträumt, mit einem Wireless-Kopfhörer, der immerhin 10 Meter Abstand zum Gerät erlaubt, frei umherlaufen zu können. Aber bisher sitze ich immer noch brav vor dem Bildschirm und passe auf.

Aber wer weiß? Vielleicht sind das Programm und ich in naher Zukunft so gut auf einander eingestellt, dass ich bald Bücher und Texte schreibe, während ich auf der Yogamattesitze und entspanne. Oder ich koche oder bügele oder fahre gerade lustig Fahrrad und mein Diktiergerät baumelt vor meiner Brust. Aber um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass ich diesen Zustand je erreichen werde. Es braucht doch eine recht klare Aussprache und wenig Nebengeräusche, damit das System meine Sprache erkennen kann.

Ich habe auf jeden Fall das Gefühl, dass mein Blog-Text schon sehr viel länger ist als sonst, und das liegt sicherlich daran, dass mein Assistent für mich tippt. (Ob ich jetzt ins Labern komme?  :-) )

Fazit: Eine schöne Sache für all die, die ihre müden Schultern, Nacken und Arme bei der Büroarbeit etwas entlasten wollen. Und wer nicht so schnell tippen kann, für den ist es sowieso sehr praktisch.

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Hier geht es zu der Homepage von NUANCE, wo verschiedene Versionen angeboten werden (ich habe Dragon NaturallySpeaking Premium 11.5 wireless (Windows) und Dragon Dictate  für Mac OS X getestet)

http://www.nuance.de/for-individuals/by-product/dragon-for-pc/index.htm

ulrike: Tuesday, 27. March 2012, 09:55 in Allgemein | Permalink

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