ulrike
Tagebuch eines Sensibelchens

Popcorn

"Mama", sagt meine Große, "du bist wie Popcorn! Du regst dich immer so schnell auf und platzt!" Und damit hat sie völlig Recht. Nur wie soll ich das abstellen? Folgen Sie mir auf meinem Weg zur inneren Ruhe, oder auch nicht...

Buchtipp: John Jeremiah Sullivan – Pulphead. Vom Ende Amerikas

Ich hatte gelesen, dass John Jeremiah Sullivan als der beste Non-Fiction Autor der USA gilt. Das hat mich neugierig gemacht. Wie schreibt dieser 37-jährige Autor, dass sich die Kritiker vor Begeisterung geradezu überschlagen? Ich kannte Sullivan nicht, der Herbst 2011 in den USA offenbar wahre Jubelstürme entfacht hatte.

Ich hatte mit stilsicheren Ausführungen gerechnet. Mit kunstvollen Sätzen und Beschreibungen. Mit Gehirngymnastik, akademischen Schachzügen und derlei abgehobenem Zeug. Ich hatte mit mehr oder weniger blutleeren Essays gerechnet, die sich auf intellektuell höchstem Niveau bewegen.

Und ich wurde auf das Angenehmste überrascht.

Denn Kunst und Klugheit sind ohne Zweifel in seinen Texten, aber Sullivan schreibt alles andere als verkopft. Tatsächlich wirkt er wie der nette Typ aus der Zeitungsredaktion. Der Reporter, der vor Ort recherchiert und verdammt neugierig ist. Seine Texte sind eine beglückende Mischung aus Reportage und Erzählung. Dieser Autor BRENNT für seine Sache. Das, worüber er schreibt, ist ihm merklich wichtig. Er sieht, er beobachtet, er schreibt aus der Ich-Perspektive – ob über ein christliches Rockfestival, Axle Rose, die Tea-Party-Bewegung, Reality-TV oder Naturforscher – und er ist mit Leib, Herz und Seele dabei. Er scheut sich nicht, Privates und Schwächen aus seinem eigenem Leben völlig uneitel in direkten Bezug zu seinen Beobachtungen zu setzen. Das macht seine Texte ungeheuer aufregend. Die Welt und Ich, Ich und die Welt. Im Grunde eins. Ich lese diese 15 Texte in “Pulphead” und bin immer wieder regelrecht elektrisiert. Da ist einer, der keine Angst hat, er selbst zu sein und sich von anderen berühren zu lassen. Was für eine Lesefreude! Ich kann die Begeisterung seiner Kritiker bestens verstehen.

John Jeremiah Sullivans “Pulphead. Vom Endes Amerikas”  nicht nur wärmstens, sondern heiß empfohlen.

 

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John Jeremiah Sullivan: Pulphead. Vom Ende Amerikas. Aus dem Englischen von Thomas Pletzinger und Kirsten Riesselmann.

Suhrkamp Verlag, Berlin, erschienen 17.09. 2012.

416 Seiten, 20 Euro.

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Und hier geht es zur Verlagsseite:

http://www.suhrkamp.de/autoren/john_jeremiah_sullivan_8796.html

ulrike: Thursday, 15. November 2012, 21:12 in Allgemein | Permalink

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