irini
Familiensache

Was heißt hier Rabenmama?

Zwischen Kinderzimmer, Kita und Job: Irini Paul lebt mit Ehemann, Sohn und Tochter in Nürnberg und berichtet von großen und kleinen Abenteuern einer "Rabenmama" und ihrer Familie.

Im Lichterwahn

Eigentlich mag ich, wie wir im Moment leben. Wenn die Kinder raus wollen, dann mache ich einfach die Tür auf, und sie können vor dem Haus auf dem Fahrrad fahren oder mit dem Bobbycar herumrutschen. Im Sommer haben sie den Garten in Beschlag  und wir am Abend die Terrasse für uns. Nicht zuletzt liegt um unsere kleine Siedlung  kein einziges Hochaus oder Mehrfamilienhaus, sondern eine gewachsene Gegend mit Einfamilienhäuschen. Dennoch, wenn Weihnachten naht, dann wünsche ich mich zuweilen doch woanders hin…

Das Grauen nahte vor ein paar Jahren heimlich still und leise in Form eines kleinen Kitzes. Einsam und verlassen stand es zur Vorweihnachtszeit im Vorgarten eines kleinen Hauses bei uns um die Ecke  und beleuchtete mit seinen ungezählten kleinen Lämpchen all die tollen Sträucher und Hecken, die uns damals schlichtweg depremierten. Bei uns Garten-Anfängern stand hinterm Haus noch kein einziger Grashalm, vielmehr erinnerte die Fläche an einen Kartoffelacker. Doch über den “hellichten Blödsinn aus Amerika” amüsierten wir uns genüsslich und machten unser Ding, welches sich auf einen Mistelzweig an der Haustür beschränkte.

Die Gelassenheit von einst ist mir längst abhanden gekommen. Denn inzwischen wird unsere Gegend derart bestrahlt, dass ich die Scheinwerfer am Wagen ausstellen könnte, wenn ich durch die Straße fahre. Dank all der Lichterketten an Balkons, um Bäume, in den Fenstern und als irgendwelche Huftiere aus Licht finde ich den Weg auch so. Hier parkt ein Lichter-Schlitten im Gras, Sterne, Rentiere und Schneemänner. Ignorieren ist bei Dunkelheit ein Ding der Unmöglichkeit geworden und damit die Toleranz auch auf eine schwere Prüfung gestellt. Schließlich muss ich nicht alles mögen – auch wenn ich damit relativ alleine dazustehen scheine – abgsehen von meinem Mann, der das ganz still hinnimmt.

Unser Kleiner bzw. Großer findet das alles natürlich ganz toll und sitzt stets staunend und mit offenem Mund in seinem Kindersitz, wenn wir an den Lichtern vorbeifahren. Und das Jauchzen seiner kleinen Schwester neben ihm werte ich auch als eine Art Beifall für das Licht-Spektakel. “Können wir nicht auch mal solche Ketten aufhängen? Dann ist unser Haus nicht immer so dunkel”, sagte er erst neulich wieder auf dem Nachhauseweg. “Wenn wir nicht zuhause sind, dann kann es ruhig dunkel sein. Alles andere wäre auch Energieverschwendung”, antwortete ich und setzte zu einem – zugegeben recht missionierenden – “so etwas Künstliches wird dir doch nicht etwa gefallen “-Vortrag an und endete mit dem Beschluss des Ältestenrates der Familie: “KEINE LICHTERKETTEN IM GARTEN.” Basta.

Der Ärmste. Die Lichter lassen ihn einfach nicht mehr los. Er fragt jeden, aber wirklich jeden, der zu uns zu Besuch kommt: “Also, findest du das schön oder nicht?” Die Antworten gaben uns zum Glück bislang immer recht. Bis vor kurzem. Da war sein Freund zu Besuch, den er natürlich auch gleich löcherte und der ihm endlich das sagte, was er schon seit Wochen von einem anderen als seiner inneren Stimme hören will. “Also, mir gefallen die Lichter.” Ich habe meinen Kleinen selten so strahlen sehen. So verkehrt lag er also mit seinem Geschmack gar nicht. Doch seitdem haben wir keine Ruhe mehr. Er löchert uns: ob das wirklich so viel Energie verschwendet, die Ketten zu teuer sind und warum wir eigentlich nicht “auch mal was Schönes am Haus” haben können. Es hilft alles nichts. Er gibt keine Ruhe. Wir werden keinen Frieden finden. Aber ich will keine beleuchteten Rentiere im Garten.

Er soll sein Licht dennoch haben – in seinem “Haus”, sprich: in seinem Zimmer. Schon seit Tagen wartet eine kleine Lichterkette aus dem Baumarkt in meinem Kleiderschrank, die wir ihm um seine Holzküche installieren wollen. Doch irgendwie kam immer etwas dazwischen, um ihm seinen kleinen Herzenswunsch mit der nötigen Ruhe zu erfüllen. So wie vor zwei Tagen, da kamen wir an einem Haus ohne Gleichen vorbei: Schlitten auf dem Dach, Krippe vor dem Haus, Rentier im Gras und Lichterregen von der Dachrinne. Für unseren Sohn war jedoch der überdimensionierte Weihnachtsmann der absolute Renner. Aufgeblasen hing er riesig an der schlappen Strickleiter und verzückte das Kind hinter mir so sehr, dass es kein anderes Thema mehr auf der Heimfahrt  fand. Ich glaube, es wird nun wirklich Zeit für seine Lichterkette. Sie könnte Schlimmeres verhindern.

irini: Friday, 09. December 2011, 22:55 in Allgemein | Permalink

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Kommentare

Liebe Rabenmama,

ich kann sehr gut verstehen, dass rentiere im Garten nicht als schön empfunden werden. Allerdings. Ja, das gibt es wohl immer. Manchmal ist es schön, etwas zu durchbrechen. Sein eigenes Lichterding zu entwickeln, um das Staunen der Kinder zu erleben. Weshalb bieten Sie Ihrem Sohn nicht ein exorbitantes Erlebnis mit echten Kerzen, die alles E-geleuchte in den Schatten stellen? Ein Garten voller Teelichter in kleinen Gläsern. Ein Gartenfeuer, ein WSeinhanchtsfeuer, ein eigenes, viel besseres Ritual. Sprechen Sie doch einmal mit dem Rabenvater, ob er nicht Lust hätte, ein Feuer zu entzünden und im Schein des Advbentslichtes Bratäpfel im Garten im offenen Feuert zu garen. Ihre Kinder würden fortan alle Rentiere Rentiere sein lassen und erleben, was wirliches Licht ist. Das würde ich ihen zumindest wünschen. Es wäre schön, wenn Sie in der Adventszeit ein wenig Gnade vor Recht ergehen lassen können. Ihre Nachbarn wünschen sich ein Lichterfest und wissen vielleicht nicht mehr, wie schön echte Kerzen sind. Lassen Sie doch einen Abend einmal die Augen Ihrer Kinder leuchten. das würde mich freuen, und Sie bestimmt auch. Könnte ich mir vorstellen. Es ist immer ein gutes Mittel, auf Konventionelles mit Unkonventionellem zu reagieren. Entschuldigen Sie bitte, liebe Rabeneltern, dass ich mich einmische, aber ich kenne Ihre Besorgnis. teile sie auch zum Teil.

Feurige Grüße

Jens

Kommentiert von: jens | Tuesday, 13 December 2011, 00:38

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