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Was heißt hier Rabenmama?
Zwischen Kinderzimmer, Kita und Job: Irini Paul lebt mit Ehemann, Sohn und Tochter in Nürnberg und berichtet von großen und kleinen Abenteuern einer "Rabenmama" und ihrer Familie.
Barbie-Zombies
Bei Geschenken zum Kindergeburtstag war ich eigentlich noch nie ratlos. Da ich selbst keine Überraschungsgeschenke für die Kinder mag, frage ich die Mütter und Väter einfach, die Kinder selbst oder eben unseren Sohn. Der weiß eigentlich immer, was gefragt ist. Und so ganz blöd bin ich ja auch nicht – schließlich habe ich ja auch einen Fünfjährigen und weiß daher, was für einen eigenwilligen Geschmack Kinder zuweilen haben können. Ich sag nur “Sponge Bob” oder “Blink-Schuhe” – ein Grauen zum darauf Wandeln oder eben Hüpfen. Sei’s drum. Aber der Geburtstag der kleinen Sarah hat mich dann neulich dann doch ganz schön ins Schleudern gebracht.
Was könnte sich eine Fünfjährige denn schon wünschen? “Irgendwas rosafarbenes oder was mit Prinzessin”, sagt dann neulich Sarahs Mama sichtlich gequält auf meine Frage nach dem Herzenswunsch und setzte noch ein Schulter zuckendes “ich kann auch nichts dafür” hinterher. Ich tröstete sie mit einem, “wer weiß, was auf mich noch alles zukommt”. Schließlich kenne ich das Leid von so manchen Frauen mit tadellosem Geschmack, die dennoch mit viel schrillem Rosa zwischen Puppenhaus und Puppenwagen leben müssen. Zuhause holte ich mir dann noch den Rat von unserem kleinen Großen, der überrascht von meiner Frage schien. “Eine Barbie natürlich, Sarah liebt alles von Barbie”, sagte er und ich wusste Bescheid.
Nun war mir das Grauen aus den Mädchenzimmern dieser Welt bislang relativ egal. Meist sind bei uns Geschenke für Jungs gefragt, die wenigen Mädchen aus unserem Bekanntenkreis waren bislang auch ohne Barbie glücklich zu machen und bei meinen beiden inzwischen erwachsenen Nichten habe ich diesen Wunsch über Jahre hinweg einfach ignoriert. Nicht, dass ich dieses Wesen, das jeder erwachsenen Frau mit seinen Beinen bis zum Hals, Äpfelchen-Brüsten und strahlend-faltenlosen Lächeln die Cellulite-Dellen ins Gesicht treibt, nicht gönnen würde. Schließlich habe ich einst meine blonde Brabie auch geliebt – auch wenn sie so anders war als ich mit meinen kurzen braunen Haaren. Heute sind für mich die Barbies, Steffis oder Mandys dieser Welt einfach Zombies auf zwei Beinen, bei denen die Mädchen ja nur Minderwertigkeitsgefühle bekommen müssen.
Da ich aber nicht wollte, dass mein Sohn an Sarahs Geburtstag blöd dasteht, packte mich der Ehrgeiz einen richtig schönen Zombie zu finden. Und stand am Ende selbst blöd da. Denn vor mir war eine ganze Armada von Püppchen aufgebaut. Barbie im Bikini, im Abendkleid, in Hotpants und natürlich als Prinzessin und das gleiche nochmal als Steffi, Mandy, Candy – was weiß ich. “Was nehme ich denn jetzt?”, frgate ich meine Kleine, die in ihrem Buggy schon ganz nervös wurde ob der vielen glänzenden Kleider. Die im Bikini? Oh Gott, Sarahs Mutter war ja eh schon am Boden zerstört. Als Prinzessin? Wirklich nicht. Am Ende landete ich bei einer Puppe, die am meisten von einer Ballerina hatte, und war doch zufrieden. Sarah würde sich freuen, und mein Kleiner glücklich sein, das Richtige dabei zu haben.
Zufrieden schob ich also nach gefühlten zwei Stunden vor der Brabie-Armee den Buggy zur Kasse und wollte zahlen. Doch die Rechnung hatte ich ohne meine Tochter gemacht. Ich glaube, ich habe sie noch nie so zornig brüllen gehört, als in diesem Moment, in dem ich ihr die Packung mit der Puppe wieder aus den Händen nehmen wollte. Sie stemmte sich auf, schrie und wurde ganz rot im Gesicht. “Meine Puppe, meine Puppe.” Ich dachte, sie stirbt. Den Griff mit ihren kleinen zweijährigen-Patschern lockerte sie freilich nicht. Es wurde der Nahkampf an der Kasse und ich fürchte fast auf lange Sicht ein Schlüsselerlebnis.
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