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Mode-Blog

Tiefe Einblicke

Im Mode-Blog von Ursel Braun geben ganz unterschiedliche Frauen - und Männer - Einblicke in ihre Garderobe und erzählen von ihrem Stil. Denn: "Nichts ist verräterischer als die Oberfläche."

Ariane Günthert: Klassischer Stil

Zwei Kleidungsstücke haben meine Kindheit geprägt und drücken viel über mein Wesen und meine iranisch-österreichischen Wurzeln aus. Meine iranische Großmutter, die uns oft in Wien besuchte, trug immer einen Schleier. Von ihr bekam ich einen weißen Schleier geschenkt, den ich als Kind gerne und mit Selbstverständlichkeit trug. Genauso wie ich gerne im feschen Dirndl in den Kindergarten in Teheran ging. 

Ich fliege regelmäßig in den Iran und beobachte, wie die Frauen versuchen, trotz des Kopftuches schön auszusehen, sich zu schminken und zu schmücken. Iranische Frauen legen sehr viel Wert auf ein elegantes Aussehen. Sie gelten im Orient als die schönsten Frauen.

Wienerinnen kleiden sich schön, aber nicht besonders experimentierfreudig. Sie sind eher konservativ. Mit Wien verbinde ich anlassbezogene Kleidung. Die zahlreichen Bälle sind ein Anlass zum Tragen von Cocktail- und Abendkleidung. Ich habe meine wienerische Mutter für ihren Stil immer bewundert. Sie hat meinen Sinn für Qualität geprägt und mich gelehrt, für einen bestimmten Anlass die richtige Garderobe auszusuchen, sich nicht unbedacht anzukleiden, immer zu überlegen: Wo gehe ich heute hin? Wen treffe ich? Ist meine Kleidung angemessen?

Mein Vater ist Architekt. Er hat  an der Akademie der Bildenden Künste in Wien studiert. Auf diese Weise entstand mein Anspruch, im Umfeld von kreativen Menschen zu arbeiten. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft wurde ich am Institut Francais de la Mode in Paris zu einem post graduate – Studium aufgenommen. Ich empfand es als große Ehre, in Paris, im Zentrum der Mode, an einer ganz besonderen Schule studieren zu dürfen. Ein sehr intensives Jahr, in dem die 40 aufgenommenen Studenten, unter ihnen Designer, Juristen, Betriebswirte und Ingenieure, projektbezogen und fächerübergreifend ausgebildet wurden.

Ich war sehr gerne in Paris, es war eine ganz besonders schöne Zeit. Ich habe es geliebt, durch  die Avenue Montaigne und durch St. Germain zu streifen und mir die Auslagen der Geschäfte anzuschauen. In Paris ist mein Auge für das Elegante und Feminine gereift. Wenn ich durch die Straßen lief und die Französinnen beobachtete, habe ich sehr bewundert, wie sie Neues mit Altem kombinierten und immer sehr stilvoll, elegant und feminin aussahen.

Ein Kleid in meinem Leben hat für mich eine ganz besondere Bedeutung. Als Studentin in Wien wollte ich für einen besonderen Anlass ein Cocktailkleid kaufen und ging mit meiner besten Freundin in die Stadt. Wir fanden ewig nichts, es war Winter, eiskalt und es schneite wie verrückt.  Zufällig gingen wir an einer Auslage von Rena Lange vorbei. Damals kannte ich die Marke überhaupt noch nicht. Wir sagten: „Die Kleider sehen schön aus, gehen wir doch mal hinein und schauen und lassen uns überraschen!“ Dann fand ich tatsächlich dieses ganz besondere grüne Cocktailkleid aus einem schönen Stoff mit Knöpfen, die mit dem gleichen Stoff bezogen waren. Es war natürlich für mich damals ein unglaublich teures Stück, mein erstes Investment Piece. Es symbolisiert für mich eine gewisse Selbstständigkeit und den Mut, alles Geld, das ich im Sommer als Studentin erarbeitet hatte, nur für ein einziges Kleidungsstück auszugeben. Es war natürlich ein unglaublicher Zufall, als ich viele Jahre später meinen Mann kennen lernte. Erst dieses besondere Kleidungsstück, und dann treffe ich diesen besonderen Mann, der ausgerechnet mit diesem Kleidungsstück in Verbindung steht.

Das erste Rendezvous mit meinem Mann fand in einem einfachen türkischen Restaurant statt. Ich trug eine Kordhose zu einer Leopardenbluse aus Seide und einem Ledergillet, ein Rena Lange Vintage Teil, das ich gerne trug, da es meine Taille betonte.

Unsere große Brautfeier haben wir leider absagen müssen, weil sie zwei Tage nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center in New York stattfinden sollte und ein Teil unserer Gäste nicht mehr anreisen konnte. Dadurch konnte ich mein Hochzeitskleid bis heute noch nicht tragen. Möglicherweise feiern wir ja noch einmal nach. Die standesamtliche Hochzeit haben wir sehr schön in Wien in der Hofburg gefeiert. Ich trug ein schwarz-weißes Kostüm mit einer weißen Seidenbluse, High Heels und Hochsteckfrisur. Auch dieses Kleid habe ich natürlich immer noch in meinem Schrank hängen und hoffe, da ich keine Tochter habe, dass ich vielleicht einmal eine Schwiegertochter bekomme, die sich darüber freuen wird.

Meine Freizeitkleidung ist dadurch geprägt, dass ich kleine Kinder habe. Ich trage gerne Hosen, Twinsets und flache Schuhe, um mit den Kindern radeln und auf den Spielplatz gehen zu können. Meine Arbeitskleidung ist oft schwarz-weiß, z.B. eine weiße Schluppenbluse zu einer schwarzen ¾ Hose mit High Heels. Sicher und gut fühle ich mich auch in schwarzen Kleidern mit weißem Bubikragen, unseren sogenannten Signature-Kleidern, die immer wieder neu interpretiert werden, oder in fließenden, gut geschnittenen Seidenkleidern oder einer Schluppenbluse zu Jeans und einer Tweedjacke. Da weiß ich, dass ich gut gekleidet bin, egal, was für ein Tag gerade ist und in welcher Verfassung ich bin. Diese Teile gehören auch auf Reisen in meinen Koffer. Ob ich eine gute Packerin bin? Inzwischen schon. Ich werde geübter darin. Mein Mann sagt immer: „Bitte so wenig Gepäck wie möglich!“ So musste ich lernen, gut überlegt das Richtige einzupacken, ohne dass ich zu viele Koffer mitnehmen muss.

Ich trage ausschließlich Rena Lange. Ich liebe unser Haus, bin von unseren Kollektionen überzeugt und besitze auch sehr viele Vintage-Teile aus früheren Kollektionen. Man kann sagen, dass ich viele unserer Kleidungsstücke sammle. Wenn ich in der Früh meine Kinder zum Kindergarten und zur Schule begleite und mich Menschen auf meine Kleidung ansprechen, freut es mich zu zeigen, wie selbstverständlich man uns tragen kann.

Meine Schwiegermutter war eine einzigartige Frau, die ich in ihrer Eleganz und Lässigkeit und auf grund ihrer Leistungen immer bewundert habe Sie ist im Mai 2011 verstorben. Ich vermisse sie unendlich und an ihren Tod zu denken, tut mir sehr weh. Mit ihr verbinde ich ein ganz bestimmtes Kleidungsstück: den Bubikragen. Sie hat gut erkannt, dass ein weißer Kragen jedes Gesicht zum Leuchten bringt und jede Frau gut erscheinen lässt, egal in welcher Verfassung sie sich gerade befindet.

Die Großmutter meines Mannes ist 103 Jahre alt geworden und ging bis zum Ende sehr diszipliniert mit ihrem Aussehen um. Es war ihr wichtig, dass sie einmal die Woche zum Friseur ging oder der Friseur zu ihr kam, dass sie immer gut gekleidet war. Ich glaube, dass es nichts Oberflächliches ist, Wert auf sein Äußeres zu legen, sondern dass es einem sogar hilft, sich gut zu fühlen. Es ist wichtig, sich selbst wichtig zu sein, Disziplin zu haben und sich gut zu kleiden. Je älter man ist, um so mehr.

Mir war immer wichtig, mich von Kleidung nicht blenden zu lassen. Ich versuche, einen Menschen erst nach einem Gespräch zu beurteilen. Aber es ist eine Tatsache, dass Kleidung für den ersten Eindruck ausschlaggebend ist. Kleidung hat auch mit Wertschätzung für sich selbst zu tun und damit, sich zu trauen. Es gibt viele Frauen, die sich nicht trauen, sich etwas Schöneres zu gönnen oder sich die Zeit zu nehmen, sich schön zu kleiden. Kleidung kann einen tollen Wohlfühleffekt haben und Freude machen. Man geht ganz anders durch den Tag, wenn man auf sich achtet und sich ein bisschen einen Schubs gibt, um sich auch ohne einen besonderen Anlass schön zu machen.

An meine drei Buben habe ich den Anspruch, dass sie selbstständig werden und sich auch in ihrem Geschmack selbstständig entwickeln, obwohl ich ihnen einen bestimmten Geschmack vorlebe und dementsprechend einkaufe. So weit es innerhalb dieses Rahmens geht, möchte ich ihnen ihre Freiheit lassen. Ich selbst mag den klassischen Stil. Ich mag es gerne, wenn Jungs Hemden anziehen, ich mag Blau sehr gerne. Bei meinen Kindern beobachte ich schon ein Interesse für Kleidung. Sie sind frei, morgens zu entscheiden, wie sie sich anziehen möchten. Zwei meiner drei Buben sind Zwillinge. Sie sind 6 Jahre alt. Der eine trägt konstant gestreifte Shirts oder Sweaties, der andere experimentiert gerne mit Farben. Er liebt es, eine orangene Hose mit einem roten Pulli und einem rosa Hemd drunter anzuziehen. Er möchte auch im Sommer oft sehr warme Kleidung tragen. Dann sage ich schon: „Bist du sicher, heute so dicke Strümpfe anzuziehen?“ Wenn er meint ja, dann lasse ich ihn und denke: „Wenn es ihm heiß wird, kann er sie ja jederzeit ausziehen.“ Ich bemerke aber durchaus an mir, dass manchmal eine Art Eitelkeit durchbricht und ich sage: „Meinst du nicht, dass diese Farben nicht so gut zusammenpassen?“ Das kommuniziere ich schon – leider.  

Über Ariane Günthert: Die Ehefrau des Inhabers des Münchner Modelabels Rena Lange, Daniel Günthert, ist in Teheran als Tochter eines iranischen Architekten und einer Österreicherin geboren. Sie wuchs in Teheran und Wien auf und absolvierte ein Betriebswirtschaftsstudium und ein post-graduate Studium am Institut Francais de la Mode in Paris. Vor ihrer Ehe arbeitete sie u.a.  bei Cerutti und als Produktmanagerin bei Givenchy. Ariane Günthert hat drei Söhne (8, 6, 6). Sie lebt mit ihrer Familie in München.

Foto: Ralf Meier / MeierPress

ursel: Wednesday, 08. August 2012, 12:15 in Allgemein | Permalink

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Kommentare

Sicher haben die EinflÜsse der orientalischen Kindheit das Modebewusstsein von Fr.Günthert beeinflusst,was ich sehr begrüsse.Sie ist immer sehr geschmackvoll gekleidet und sicher die beste PR-lady für die Firma ihres Mannes weil sie auch sehr natürlich und herzlich wirkt.
Da ich in Wien lebe, muss ich ihr beipflichten, dass die Wienerinnen eher konservativ und nicht experimentierfreudig sind.Da gibt es wohl viel Nachholbedarf.
Vielen Dank für das wunderbare Interview!
Dr.Yasmin Frank

Kommentiert von: Dr.Yasmin Frank | Tuesday, 11 September 2012, 20:31

Kleidung ist unsere 2. Haut, dass sehe ich auch so. Auch ich beschäftige mich mit Stil, Mode und Kleidung, die uns gut tut. Vielleicht mögen Sie ja auch mal auf meinem Blog vorbei schauen? http://blog.farbenfreundin.de/

Kommentiert von: Farbenfreundin | Sunday, 09 December 2012, 20:27

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