Wadenkrampf
Seit 1988 in Großbritannien schreibt Petra Große in ihrem Blog darüber, einen 4-Stunden-Marathon zu knacken und einen passenden Marathon Man über die Ziellinie zu schleppen.
Freunde bleiben? Unmöglich!!!
Ich habe ja NIE verstanden, dass geschiedene Ehe-oder-Lebenspartner mit Kindern es NICHT auf die Reihe bekommen, mit dem EX ein zivilisiertes Verhältnis zu haben; „der Kinder wegen”.
(….das liegt sicher daran, dass ich weder verheiratet noch langfristig liiert gewesen bin oder Kinder habe….und wer Wadenkrampf schon eine Weile liest, weiß auch warum…..ich bin NEUROTISCHER als Carrie Bradshaw in ihren besten Mr. Big Tagen….und DIE war nur eine fiktive Figur in Sex and the City….für mich gibt es also WIRKLICH keine Hoffnung mehr….
)
JETZT verstehe ich es!
Es ist SCHIER unmöglich, mit einem Menschen, den man einmal geliebt hat „befreundet” zu bleiben,
(….der Kinder, des Hundes oder des Wellensittichs wegen….. den man sich nach der Trennung teilt….)
und so zu tun, als sei alles „alles paletti”, wenn dieser auf einmal EINE NEUE mit sich rumschleppt.
(….die obendrein mehr Orangenhaut hat, als eine Pampelmusen-Plantage…..)
Diese Erkenntnis bestätigt die Tatsache, dass ich es nie geschafft habe, mit einem Ex befreundet zu bleiben.
Vor allem dann nicht, wenn ER der Schlummi war, der sich nach monatelangem hin und her am Ende zu einer schlappen SMS an einem Sonntagabend durchringt, die da lautete
„…..ich kann mich wirklich glücklich schätzen, eine Bekannte wie dich zu haben….”
(….Bekannte? …..BEKANNTE?????….)
und die „Beziehung” somit FEIGE beendete.
Marathon Man sieht das mit dem „Freunde bleiben” anders. Er beteuerte, er sei mit vielen seiner Ex-Freundinnen noch befreundet.
(….ach wirklich…..viele?…..wie VIELE denn????)
Und ich ließ damals breitschlagen, „des Urlaubs wegen”
(……den man nicht mehr kostenfrei stornieren konnte….)
Ich hatte also NIE wirklich die Gelegenheit Marathon Man aus meinem Leben zu radieren
(…..gerade wenn man im gleichen Verein ist….und sich der laufende Freundeskreis überschneidet….)
und ihn dorthin zu wünschen, wo der Pfeffer wächst.
(….und austrocknet…oder sogar verrottet…..)
Ich habe also SELBER SCHULD!!!
SELBER SCHULD, heute auf dem Weg zum Halbmarathon in der Stadt, wo ich vor einem Jahr noch wohnte und dessen Straßen ich auswendig kenne, in einem unachtsamen Moment
(….den es beim Autofahren NICHT GEBEN SOLLTE….es sei denn man denkt an den vermeidlichen Ex und seine Orangenhautprinzessin…..)
auf die RECHTE Fahrbahn geraten zu sein.
(….zur Erinnerung….wir fahren in England LINKS!!!)
Mein Gegenüber im anderen Auto, das mich verständlicherweise völlig fassungslos anstarrte,
(……der konnte ja nicht ahnen……dass ich einen „deutschen Moment” hatte …..)
hat glücklicherweise schnell reagiert.
(…im Gegensatz zu mir….die EHRLICH dachte….”WAS sucht der Kerl auf der falschen Straßenseite?”….)
DAS war DER MOMENT, als mir klar wurde, ich KANN ES NICHT!!!
Ich kann nicht so tun, als sei „alles paletti”, wenn Marathon Man mit seiner neuen Tussi vor meiner Nase „rummacht” und ihr wie ein Schoßhündchen hinterherläuft.
Ich konnte es schließlich noch NIE!
(…..Freunde bleiben….des Vereins wegen….)
WIE kann man mit jemandem befreundet bleiben, der weiß, wie laut man beim eifrig hoffnungsvoll-horizontal erkämpften Höhepunkt um Hilfe schreit
(….weil er mal wieder völlig daneben…liegt…..)
und dann mitansehen, wie seine neue Erbeutete rettungslos seinem gezielt durchtrainierten Charme
(……nicht zu vergessen….dem noch besser durchtrainierten Knackpo….sicherlich hilfreich… beim horizontalen Kampf halbwegs erfolgreich fast gemeinsam durchs ZIEL zu KOMMEN…. )
erliegt?
(….vermutlich bereits erlegen ist…..Marathon Man fackelt ja bekanntlich nicht lange….)
Es GEHT NICHT!
Eingeschüchtert vom ärgerlichen Autofahrer, der mich als „plem-plem” abgeschrieben hat, fahre ich weiter zum Halbmarathon und parke ernüchtert in einer abgelegenen Seitenstraße, weit ab vom eigentlichen Start.
(….der Schock hat meine Blase unter Druck gesetzt….und den Inhalt meiner Gedärme zu Brei geschlagen…..ich brauche dringend ein Gebüsch…..)
Von meiner Last entledigt, stelle ich fest, dass ich meine Einlagen vergessen habe.
WIE in aller Welt soll ich einen Halbmarathon ohne meine Einlagen laufen???
Ich trage seit gut 10 Jahren jeden Tag Einlagen. WIE konnte ich DIE vergessen?
(….WIE wohl…..aus dem gleichen Grund, der dich vorhin auf die rechte Straßenseite geführt hat….)
Umkehren ist unmöglich.
(….ich wohne eine Autostunde entfernt….es sind nur noch 30 Minuten bis zum Startschuss…..)
Den Halbmarathon platzen lassen?
Absolut UN-MÖG-LICH!!
(…..ich habe noch NIE kampflos aufgegeben….NOCH NIE!!!!)
Ich trabe also missmutig
(….und nervös…..)
zum Start.
Zwei Kilometer aufwärmen im Dauerlauf. Ohne Einlagen. Hoffentlich machen meine Beinchen nicht schon vor dem Wettkampf schlapp.
Das Herz klopft mir bis zum Hals.
Mein Herzfrequenz messender Freund Garmin, piepst wie verrückt. Er denkt wohl ich sterbe.
(…..damit hat er nicht ganz unrecht….)
Ich sterbe allerdings nicht.
(….noch nicht….)
Von Marathon Man keine Spur.
(….wärmt sich wohl auf….)
Die Orangenhautprinzessin sehe ich nur von weitem.
(….die Orangenhaut hat sie in knielangen Laufleggings versteckt….obwohl es heute wirklich warm ist…ungewöhnlich für einen englischen Sommer……)
Wir laufen los.
(….21 Kilometer…..OHNE Einlagen….bei DER WÄRME….von Marathon Mans neuer Flamme verfolgt…..ich hätte wieder nach Hause fahren sollen….)
Ich laufe um mein Leben
(….solange mich diese verdammte neue Tussi nicht überholt…..)
und meine Würde.
(….längst in der Hitze aufgeweicht….)
Ich habe 14 Jahre in dieser Stadt gewohnt. Ich kenne die Halbmarathonstrecke aus- und inwendig. Dennoch war sie NIE anstrengender als heute.
Die Hügel, die wirklich nur Hügelchen sind,
(…im Vergleich zu den HÜGELN, die Archie mir vor einer Woche aufgetischt hat….)
haben sich plötzlich in Berge verwandelt. Und ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Strecke jemals SO VIELE BERGE hatte
(….vielleicht haben die Veranstalter heimlich ein paar weitere BERGE eingebaut…..)
und SO ANSTRENGEND war!
(….ich wage nicht, mich umzusehen….nur für den Fall, dass die Orangenhaut-Amerikanerin hinter mir trabt…..)
Nach knapp 21 Kilometern
(….ich kann das Ziel schon sehen…Gott sei DANK!!!)
sehe ich Marathon Man an der Zielgeraden.
(…..SCHEI…..benkleister….der wartet bestimmt auf …….)
Er brüllt meinen Namen und feuert mich an.
Ich ignoriere ihn.
(….macht er ja sonst auch…..Auge um Auge….)
Er brüllt noch einmal.
(….er steht schließlich NICHT wegen mir hier….also….Zahn um Zahn….)
Mit letzter Kraft sprinte ich durchs Ziel.
(….ich bin stolz auf mich…..dass ich Marathon Man die kalte Schulter gezeigt habe…..)
Ich habe keine Ahnung, wie schnell oder langsam ich war. Die Uhr zeigt 2.01.39 an, als ich über die Ziellinie laufe.
(……Garmin behauptet, es seien 1.58.58 gewesen….doch unter 2 Stunden…..5 Minuten langsamer als noch vor einem Jahr….schlappe Leistung……)
Keine Spur von der Orangenhautprinzessin.
(…..Marathon Man kann hoffentlich lange warten….ich bin schneller als seine neue Flamme….HA!!)
Ich warte auf die Genugtuung, BESSER zu sein, als SIE!
(….sie kommt nicht…..dafür werde ich weiterhin von dem grünäugigen Monster, genannt EIFERSUCHT verfolgt….das Monster, das immer dann auftaucht, wenn man sich sinnloserweise mit anderen vergleicht….tut dem Ego NICHT gut….)
Anstelle am Ziel mit Freunden zu plaudern, erfinde ich einen Vorwand, so schnell wie möglich verschwinden zu müssen.
(….”ich lunche nachher nämlich noch mit einer Freundin”….was auch stimmt…..allerdings stopfe ich mir anstelle später mit Suzie nur den Bauch mit einer kalorienreichen Käsekuchenbombe voll….als Trostpflaster für meinen gebrochenen Stolz….)
Von wegen mit WÜRDE den Tatsachen ins Auge sehen!
(…..voll daneben gegangen….)
Am nächsten Sonntag kann ich gleich noch einmal versuchen, meine sogenannte „Freundschaft” mit Marathon Man zu üben.
(….während er vor meinen Augen mit der Orangenhaut-Amerikanerin rummacht…)
Unser Verein hat nämlich einen Staffellauf zum Olympia-Stadium organisiert.
(….Sausenlassen?….NIEMALS!!!!)
TRACKBACK
TrackBack-Adresse für diesen Eintrag:
http://blogs-woman.brigitte.de/wadenkrampf/2012/06/10/freunde-bleiben-unmoglich/trackback/







Die schönsten Seiten der Literatur


Kommentare schreiben